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Nationalpark
  • 08.04.2013

Gutachten zeigt: Nationalpark wichtig für Naturschutz und Regionalentwicklung

Ein Nationalpark im Nordschwarzwald ist nicht nur eine Chance für den Naturschutz im Land, sondern stärkt auch Wirtschaft und Tourismus in der Region. Das ist das Ergebnis eines unabhängigen Gutachtens zu den Auswirkungen eines möglichen Nationalparks im Nordschwarzwald.

„Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass wir als grün-rote Landesregierung die Einrichtung eines Nationalparks anstreben und hierzu den Dialog mit allen Akteuren vor Ort suchen. Als Gesellschaft haben wir eine hohe moralische Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und den Erhalt der Artenvielfalt. Unsere Prämisse war und ist dabei, dass ein Nationalpark nicht nur einen hohen Mehrwert für den Naturschutz bringt. Ein Nationalpark ist ein Projekt von landes-, wenn nicht bundesweiter Bedeutung. Er stärkt auch die Wirtschaft und den Tourismus in der ihn umgebenden Region. Das nun vorliegende unabhängige Gutachten bestätigt unsere Einschätzung: Ein Nationalpark im Schwarzwald bringt nicht nur einen hohen ökologischen Mehrwert, sondern auch neue Chancen und wertvolle strukturelle Impulse für die Region“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Vorstellung des Gutachtens zu den Auswirkungen eines möglichen Nationalparks im Schwarzwald.

Zentral in der Diskussion sei, so der Ministerpräsident, sich die Größenverhältnisse bewusst zu machen: Bei der geplanten Fläche für den Nationalpark handle es sich um 0,7 Prozent der gesamten Waldfläche in Baden-Württemberg. Mit der Erstellung des Gutachtens waren die Beratungsfirmen PricewaterhouseCoopers AG (PwC) und ö:konzept GmbH beauftragt. Die Landesregierung werde daher den eingeschlagenen Weg fortsetzen. „Ich werde dem Ministerrat vorschlagen, Minister Bonde mit der Erarbeitung eines konkreten Vorschlags zu beauftragen“, sagte Kretschmann.

Nationalpark ist Riesenchance für Nordschwarzwald und ganz Baden-Württemberg

„Hinter uns liegt eine zweijährige intensive Diskussions- und Beteiligungsphase, in der jede Bürgerin und jeder Bürger die Möglichkeit hatte, sich mit Fragen, Hoffnungen und Kritik einzubringen. Heute liegt nun endlich das umfangreiche unabhängige Gutachten vor, das sich all diesen Aspekten widmet, diese wissenschaftlich untersucht und damit die zentrale Entscheidungsgrundlage für die Landesregierung über die Errichtung eines Nationalparks im Schwarzwald darstellt. Die Gutachter haben alle vorgebrachten Punkte abgeklopft und kommen zu einem klaren Ergebnis: Ein Nationalpark ist eine Riesenchance für den Nordschwarzwald und für ganz Baden-Württemberg, für Naturschutz, Forst und Tourismus, aber auch für die Regionalentwicklung“, sagte der für Naturschutz und Tourismus zuständige Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde. Der Dank der Landesregierung gelte allen, die mit ihren eingereichten, auch kritischen, Fragen, Hinweisen und Anregungen zum Zustandekommen des Gutachtens beigetragen hätten. Das Gutachten wird der Minister in den kommenden Tagen gemeinsam mit den PwC-Gutachtern in der Region vorstellen. „Wir setzen darauf, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin engagieren und einbringen“, betonte Bonde.

Nationalpark schafft neue Arbeitsplätze

„Die SPD-Fraktion unterstützt die Einrichtung eines Nationalparks Schwarzwald - auch, weil es sich hierbei um ein wichtiges wirtschaftspolitisches Projekt handelt. Das Gutachten bestätigt das hohe Arbeitsplätze-Potenzial für die Region. Insbesondere die ganze Tourismusbranche kann mit Zuwächsen rechnen. Selbst pessimistisch kalkuliert, schafft ein Nationalpark unter dem Strich neue Arbeitsplätze. Es war ein wichtiges und gutes Signal, dass das Ministerium der Sägeindustrie das Angebot gemacht hat, den mit einem Nationalpark auf lange Sicht einhergehenden Holzverlust für die Wirtschaft über den Landesbetrieb ForstBW zu kompensieren. So ist sichergestellt, dass keine Arbeitsplätze verloren gehen“, betonte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Claus Schmiedel. Allerdings sei die Holz- und Sägeindustrie auch ohne einen Nationalpark einem anhaltenden Strukturwandel ausgesetzt. Besonders erfreulich sei, dass es nun große Gestaltungsmöglichkeiten in der Frage der Kulisse des Nationalparks, also seiner konkreten Gebietsabgrenzung, gebe. „Wir freuen uns jetzt auf Rückmeldungen aus der Region“, so Schmiedel.

Wesentliche Aussagen des Gutachtens

„Das Nationalpark-Gutachten zeigt eine Vielzahl von Chancen für die Natur, die Wirtschaft und den Tourismus auf und schlägt gleichzeitig Strategien vor, wie potenzielle Risiken minimiert werden können“, fasste Minister Bonde die rund 1.200 Seiten umfassende PwC-Studie zusammen: Der im Schwarzwald geplante Nationalpark eröffne die Möglichkeit, der Natur auf einer hinreichend großen Fläche von nur zehn mal zehn Kilometern Raum zur freien und ungestörten Entwicklung zu geben. Die Flächen im Suchraum zeichneten sich laut Gutachten durch eine besondere naturschutzfachliche Qualität und eine hohe Dichte an bereits bestehenden Schutzgebieten nach Forst- und Naturschutzrecht aus. Die Experten kämen darüber hinaus zu dem klaren Ergebnis, dass die Vielfalt der Landschaften, der Arten und der Vegetation von einem Nationalpark profitieren würde. Das Gutachten bescheinige dem Nationalpark damit einen naturschutzfachlichen Mehrwert, der durch kein anderes diskutiertes Großschutzgebiet wie ein Biosphärengebiet oder einen „Naturpark plus“ erreichbar wäre. Prozessschutz auf der einen und Möglichkeiten des Naturerlebens auf der anderen Seite gingen in einem Nationalpark Hand in Hand, so Bonde weiter. Damit könnten die internationalen Richtlinien der IUCN (International Union for Conservation of Nature) eingehalten werden. Schließlich böte der Nationalpark große Chancen für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region insgesamt. Das Gutachten bescheinige dem Nationalpark positive Impulse vor allem für Wachstum und Wertschöpfung in der Region sowie die Stärkung des Tourismus im Nordschwarzwald, so der Minister.

Positive Impulse für Tourismus und Regionalwirtschaft

Minister Bonde betonte, dass die örtliche Sägeindustrie von einem Nationalpark keine negativen wirtschaftlichen Folgen und keinen Arbeitsplatzverlust zu erwarten hätte: „Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und der Landesbetrieb ForstBW sichern den Sägebetrieben zu, dass Holzmengen, die im Nationalpark nicht mehr genutzt werden können, durch Holzmengen aus anderen Gebieten des Staatswaldes zu den jeweiligen Marktkonditionen kompensiert werden können.“

Mit Blick auf die mögliche Ausbreitung von Borkenkäfern in einem Nationalpark sagte Minister Bonde: „Wir haben von Anfang an vorgeschlagen, eine mindestens 500 Meter breite Pufferzone einzurichten. Aktives Borkenkäfermanagement sowie weitere vom Gutachten skizzierte Strategien werden uns helfen, einen wirksamen Schutz der angrenzenden privaten und kommunalen Wirtschaftswälder zu gewährleisten.“

Neben dem naturschutzfachlichen Mehrwert komme auch den wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten in einer Nationalparkregion enorme Bedeutung zu, sagte Bonde weiter. Laut Gutachten seien dabei positive Impulse unter anderem für den Tourismus und insbesondere für die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu erwarten. „Der Nordschwarzwald ist für das am stärksten wachsende touristische Nachfragesegment ,Natur‘ geradezu prädestiniert. Selbst in seinen pessimistischen und zurückhaltenderen Szenarien rechnet das Gutachten deshalb mit einem deutlichen Zugewinn an Wertschöpfung, einer Zunahme an Übernachtungs- und Tagesgästen sowie mit einem deutlichen Mehr an Arbeitsplätzen.“

Zusammenfassung des Gutachtens 

Gesamtfassung des Gutachtens und weitere Informationen zum Gutachten

Fragen und Antworten zu einem möglichen Nationalpark im Nordschwarzwald


Ministerium

Das Staatsministerium in der Villa Reitzenstein (Parkansicht).

Staatsministerium Baden-Württemberg

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