Digitalisierung

Über drei Millionen Euro für neue digitale Wege ins Museum

Eine Mitarbeiterin der Kunsthalle Mannheim steht im Atrium vor der digitalen Monitor-Wand „Collection Wall“ und betrachtet ein Kunstwerk. Auf dem Touchscreen können Besucher interaktiv einen Blick in die Sammlung und auch ins sonst verborgene Depot werfen (Bild: picture-alliance/Uwe Anspach/dpa).

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wird in den kommenden zwei Jahren insgesamt 3,1 Millionen Euro für Digitalisierungsprojekte an den Landesmuseen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus werden künstlerische Studiengänge im Bereich der digitalen Medien unterstützt.

Das erfolgreiche Programm „Digitale Wege ins Museum“ wird 2018 im Rahmen der umfassenden Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg digital@bw erneut und in erweiterter Form ausgeschrieben: Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wird in den kommenden zwei Jahren insgesamt 3,1 Millionen Euro für Digitalisierungsprojekte an den Landesmuseen zur Verfügung stellen. Auch die künstlerische Praxis und das Anforderungsprofil der kunstnahen Berufe hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die zunehmende Nutzung digitaler Medien erheblich gewandelt. Deshalb unterstützt das Kunstministerium darüber hinaus künstlerische Studiengänge in diesem Bereich.

Programm „Digitale Wege ins Museum“ geht in zweite Runde

„Wir wollen sowohl die Zugänge zu Kunst und Kultur erweitern als auch neue Zielgruppen gewinnen. Dafür sind die neuen digitalen Möglichkeiten prädestiniert. Neue Besuchergruppen wie Kinder, die mit digitalen Technologien aufwachsen, und junge Erwachsene, die sich tagtäglich über das Netz informieren und austauschen, benötigen eine neue Form der Ansprache. Sollen Kunst und Kultur in deren Welt eine Rolle spielen, müssen auch Museen ihre Kommunikationspraktiken ändern und entsprechende Erlebnisräume schaffen. Mit unserem Förderprogramm ‚Digitale Wege ins Museum‘ setzen wir genau hier an, um neue Partizipations- und Erlebnismöglichkeiten zu schaffen sowie Bildungsinhalte zu vermitteln. Wir wollen damit einen für die kulturelle Bildung entscheidenden digitalen Impuls in die Museen bringen“, sagte Staatssekretärin Petra Olschowski.

Bereits mit dem im Oktober 2017 gestarteten Programm „Digitale Wege ins Museum“ hat das Land Baden-Württemberg eine Förderinitiative zur Gestaltung der digitalen Zukunft der Landesmuseen auf den Weg gebracht, die deutschlandweit einzigartig ist. In einer ersten Runde werden seit 2017 sechs Landesmuseen mit insgesamt 800.000 Euro bei der Entwicklung innovativer digitaler Vermittlungsanwendungen unterstützt. Das Landesmuseum Württemberg wird beispielsweise ein Virtual Reality-Vermittlungsprojekt entwickeln, bei dem man ausgehend von einem spätgotischen Flügelaltar auf eine virtuelle Reise ins Mittelalter gehen kann. Im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe kann man zukünftig via App virtuell die Ausstellungsräume und Sammlungen besichtigen. Vor Ort im Museum angekommen, können die Besucher dann bei einer „Museumsralley“ auch selbst aktiv werden.

Museen im Fokus der Digitalisierungsförderung für Kunst und Kultur

Olschowski: „Was in den Häusern an neuen digitalen Vermittlungsformaten entwickelt wird, ist sehr beeindruckend. Die Museen machen in Punkto Digitalisierung gegenwärtig riesige Schritte: Wie weit sie sind, zeigt etwa die Beteiligung an der Gamezone des diesjährigen Trickfilmfestivals. Ich freue mich, dass wir schon mit der ersten Runde im Förderprogramm ‚Digitale Wege‘ hier viel bewegen konnten.“

Im Fokus der digitalen Offensive stehen die staatlichen Museen des Landes Baden-Württemberg. Gefördert werden konkrete Anwendungsprogramme, vor allem aber die Entwicklung umfassender Digitalisierungsstrategien an den Museen. Im Rahmen des Programms werden die Museen von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mit Workshops und Coachings begleitet. „Gerade in den Museen ist die digitale Transformation mit tiefgreifenden strukturellen, prozessualen und vor allem personellen Veränderungen verbunden. Das Kunstministerium begleitet die staatlichen Museen auf diesem anspruchsvollen Weg in die digitale Zukunft“, so Olschowski weiter. Das Land habe bei seiner Digitalisierungsstrategie auch die nicht-staatlichen Museen im Blick. „Für sie entwickeln wir aktuell eine eigenständige Förderlinie“, kündigte Olschowski an.

Digitalisierung bereits im Kunststudium Thema – neues Programm

Zugleich richtet sich der Blick auf die Ausbildung und das Studium. Um früh auf das künftige Berufsleben und die Anforderungen moderner künstlerischer Praxis vorzubereiten, setzt das Kunstministerium bereits im Studium an, digitale Kompetenzen zu vermitteln: Über das Förderprogramm „Digitalität in künstlerischen Studiengängen“ stellt das Land den Kunst- und Musikhochschulen insgesamt 680.000 Euro zur Verfügung, um die sich die Hochschulen in einem wettwerblichen Verfahren bewerben können.

„Der Umgang mit digitalen Medien gewinnt in der künstlerischen Praxis immer mehr an Bedeutung. Eine zeitgemäße künstlerische Ausbildung muss deshalb aktuelle Tendenzen und Entwicklungen aufgreifen. Das unterstützen wir mit unserem Programm ‚Digitalität in künstlerischen Studiengängen‘. In das Programm haben wir bewusst auch die künstlerischen Lehramtsstudiengänge aufgenommen: Für unsere künftigen Kunst- und Musiklehrinnen und -lehrer ist es wichtig, die digitalen Medien in reflektierter Weise in den Unterricht einbeziehen zu können“, so Olschowski abschließend.

Förderprogramm „Digitale Wege ins Museum“

Mit dem Projekt „Digitale Wege ins Museum“ fördert das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst die Museen des Landes dabei, digitale Projekte umzusetzen. Das Förderprogramm ist ein wichtiger Teil der Digitalisierungsstrategie digital@bw für Kunst und Kultur im Land. Dabei werden Bildungs- und Vermittlungsprojekte in allen Kunstsparten sowie Ausbildung und Forschung zum Lernen und Produzieren mit digitalen Medien gefördert.

Im Rahmen von „Digitale Wege ins Museum II“ werden die Landesmuseen und das ZKM dazu aufgerufen, Fördervorhaben einzureichen, die der (Weiter-)Entwicklung einer digitalen Strategie des jeweiligen Museums dienen und zugleich ein konkretes, für das einzelne Museum relevantes Anwendungsprojekt enthalten. Die Strategie soll neben einer digitalen Vision in den Forschungs-, Sammlungs- und Vermittlungsbereichen auch eine Personalstrategie beinhalten. Das Anwendungsprojekt soll den Museen die Möglichkeit geben, Strategieansätze zu erproben bzw. davon abzuleiten.

Die digitale Strategie wird unter dem Leitthema „Öffnung“ des Museums gegenüber neuen Publikumsschichten stehen. Ziel des Anwendungsprojektes soll das Audience Development, also die strategische Gewinnung und Bindung neuer Publikumsschichten, insbesondere von „Digital Natives“ sein.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wird mit einem Gremium von Fachexperten aus ganz Deutschland zusammenarbeiten. Außerdem wird das Förderprogramm von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg inhaltlich begleitet.

Förderprogramm „Digitalität im Kunststudium“

Im Sinne einer bestmöglichen Vorbereitung der Studierenden auf die Anforderungen moderner künstlerischer Praxis stellt das Wissenschaftsministerium den Kunst- und Musikhochschulen über das Förderprogramm „Digitalität in künstlerischen Studiengängen insgesamt 680.000 Euro zur Verfügung, um die sich die Hochschulen in einem wettwerblichen Verfahren bewerben können. Die maximale Fördersumme pro Hochschule beträgt 150.000 Euro. Bevorzugt gefördert werden gemeinsame oder übergreifende Projekte mehrerer Kunst- und Musikhochschulen.

Digitalisierungsstrategie digital@bw

Die Digitalisierung ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung. Dazu hat sie eine Investitionsoffensive gestartet: Rund eine Milliarde Euro werden in dieser Legislatur in die Digitalisierung investiert, rund die Hälfte davon fließt in den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Mit „digital@bw“ wurde im Sommer 2017 die erste, landesweite und ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie vorgestellt, die in Teamarbeit von allen Ministerien erstellt wurde. In den kommenden zwei Jahren werden dazu über 70 ganz konkrete Projekte mit einem Volumen von über 300 Millionen Euro umgesetzt, um Baden-Württemberg als Leitregion des Digitalen Wandels in Europa zu verankern. Die Vorhaben werden unter dem Dach des Digitalisierungsministeriums koordiniert und gebündelt.

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