Brauchtum

Schäferlauf als UNESCO-Kulturerbe anerkannt

Schäfermädchen rennen während dem Markgröninger Schäferlaufs über ein Stoppfeld (Bild: © dpa)

Schäferläufe haben eine sehr lange Tradition und gehören zu den ältesten historischen Heimatfesten im Land. Die Städte Markgröningen, Bad Urach und Wildberg pflegen dieses Brauchtum seit über 500 Jahren. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat nun die Schäferläufe als „immaterielles Kulturerbe“ gewürdigt.

„Die Schäferläufe haben eine sehr lange Tradition und gehören zu den ältesten historischen Heimatfesten in Baden-Württemberg. Seit dem 14. Jahrhundert halten die Städte Markgröningen, Bad Urach und Wildberg dieses über 500 Jahre alte Brauchtum mit viel Engagement für unsere Schäferinnen und Schäfer und für unsere Bürgerinnen und Bürger lebendig. Ich gratuliere den Städten Markgröningen, Bad Urach und Wildberg sowie allen Beteiligten, die zu diesem Titel beigetragen haben. Ich freue mich sehr, dass Ihr Wirken von der Deutschen UNESCO-Kommission mit dem Titel immaterielles Kulturerbe gewürdigt wurde“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk.

Schäferinnen und Schäfer stellen ihr Können unter Beweis

Im Rahmen der Schäferläufe stellen die Schäferinnen und Schäfer ihr Können bei verschiedenen Wettbewerben der breiten Öffentlichkeit unter Beweis. Höhepunkt ist der Schäferlauf, bei dem junge Schäferinnen und Schäfer barfüßig gegeneinander um die Wette laufen, um ihre Schnelligkeit beweisen. Die Sieger werden als Schäferkönigin und Schäferkönig geehrt. Ebenfalls bedeutungsvoll ist die Übergabe der in den Rathäusern das Jahr über verwahrten Schäferfahne und Zunftlade. Hinzu kommen weitere Attraktionen wie der Festumzug, der traditionsreiche Schäfertanz oder ein Handwerksmarkt.

„Baden-Württemberg ist ein traditionsreiches Schäferland. Im bundesweiten Vergleich nimmt unsere Schafhaltung historisch und gegenwärtig einen beachtlichen Stellenwert ein. Dieser wird vor allem beim Anblick unserer wunderschönen und vielfältigen Kulturlandschaft deutlich. Über Jahrhunderte hinweg war es die Arbeit der Schäferinnen und Schäfer und deren Schafe, die unsere einzigartige Landschaft entstehen ließ. Darüber hinaus erzeugen und versorgen unsere Schäferinnen und Schäfer uns mit regionalen, qualitativ hochwertigen Produkten wie Lammfleisch, Wolle oder Milcherzeugnissen“, so Hauk.

Höhepunkt im Stadtleben für Bürgerinnen und Bürger

Die drei Schäferläufe seien fester Bestandteil im Kalender der Schäferinnen und Schäfer. „Die Arbeit, das gesellige Zusammenkommen und der Austausch beim Schäferlauf stärken den Zusammenhalt unserer Schäferinnen und Schäfer. Davon profitiert die Schafhaltung im ganzen Land. Daneben sind die Schäferläufe eine wichtige Plattform, um die Schafhaltung dem breiten Publikum zu präsentieren und auf die Bedeutung der Schäferei aufmerksam zu machen. Und für unsere Bürgerinnen und Bürger sind sie ein wahrer Höhepunkt im Stadtleben. Wir können alle sehr stolz darauf sein, dass dieses lebendige Kulturgut hier in Baden-Württemberg all die Jahrhunderte gepflegt worden ist und heute sogar als UNESCO-Kulturerbe gefeiert werden kann. Mein Dank geht an alle beteiligten Schäferinnen und Schäfer, Bürgerinnen und Bürger sowie den Stadtverwaltungen von Markgröningen, Bad Urach und Wildberg, die sich mit großem Einsatz für den Erhalt der Schäferläufe in Baden-Württemberg einsetzen“, so Minister Hauk.

Tradition des Schäferlaufs

Schäfertag und Schäferlauf waren schon früh die Generalversammlung der Schäferzunft in der alten Freien Deutschen Reichsstadt Markgröningen, wo der Schäferlauf bereits seit 1443 nachgewiesen ist. Alle Angelegenheiten, die die Schäferei betrafen, wurden bei dem Schäfertag vom Schäfergericht behandelt. Mit dem Erlass einer Schäferzunftordnung durch Herzog Eberhard III. von Württemberg im Jahre 1651 wurde ein alljährliches Zunfttreffen erlassen. Da die im Lande verstreut lebenden Schäfer teilweise Probleme hatten, sich beim Zunfttreffen in Markgröningen einzufinden, ließ Herzog Eberhard Ludwig 1723 die Hauptlade in Markgröningen teilen und weitere Nebenladen in Heidenheim, Urach und Wildberg errichten. Ab diesem Zeitpunkt fanden jährliche Zunfttreffen auch in diesen Städten statt. Mit Auflösung der Zünfte im Jahr 1828 fiel die Schäferzunft als Träger der Feste weg und wurde außer in Heidenheim durch die jeweiligen Kommunen ersetzt, so ging die Ausrichtung des Schäfertreffens ganz auf die Stadt Markgröningen über. Sie verwahrte weiterhin die Zunftlade und die Zunftfahne, die heute zu Beginn des Festes an den Vorsitzenden des Landesschafzuchtverbandes ausgehändigt und im Festzug mitgeführt werden. Die Filial-Schäferläufe in Wildberg und Bad Urach finden seither im Wechsel alle zwei Jahre statt.

Ursprünglich fand der Schäferlauf in Markgröningen jedes Jahr am 24. August, dem Bartholomäustag, statt. Da die Schäfer jedoch mehr und mehr Probleme hatten, unter der Woche nach Markgröningen zu kommen, beschloss der Gemeinderat 1961, den Schäferlauf auf das dem 24. August nächstgelegene Wochenende zu verlegen. Seit 1963 dauert das Fest von Freitag bis Montag. Mit dem Leistungshüten am Freitagmorgen beginnt das Festwochenende.