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Kunst
  • 06.06.2014

Rückgabe von Raubgrabkunst an Griechenland

Staatssekretär Jürgen Walter hat im Beisein von Direktor Harald Siebenmorgen vom Badischen Landesmuseum (BLM) zwei herausragende Kunstwerke aus der Kykladenkultur an Griechenland zurückgegeben. Die Kykladen bezeichnen die der Peleponnes vorgelagerte Inselgruppe in der Ägäis.

Es handelt sich um eine äußerst seltene, etwa 89 Zentimeter hohe Marmorskulptur, sowie um eine in ihrer Qualität und Beschaffenheit einzigartige Griffschale aus Chloritschiefer (Bilder im Anhang). Beide Kunstwerke stammen aus der vorhomerischen Kulturepoche. Die Idole aus der Kykladenkultur symbolisieren die Geburtsstunde Europas. Als erste Europäer brachten die Inselbewohner es zu einer hohen Kultur auf europäischen Boden mit differenzierten Berufen, mit Hochseetauglichen Schiffen und einem - für damalige Dimensionen - internationalen Handel und Warenaustausch. Obgleich auf dem Kunstmarkt sehr hohe Preise gezahlt werden, geht ihr Wert deshalb noch weit über die materielle Zumessung hinaus.

Die beiden Objekte sind herausragend in Qualität und Güte. Sie sind in den 70er Jahren mutmaßlich als Ergebnis illegaler Auftragsgrabungen, so genannter Raubgrabungen, auf eher dubiosen Wegen nach Deutschland gelangt und seither im Besitz des BLM.

Dies ist nach der Rückgabe des Gemäldes „Die Palasttreppe“ von Francesco Guardi aus der Staatsgalerie Stuttgart an Polen die zweite Rückgabe bedeutenden Kulturguts binnen kurzer Zeit, die über das Washingtoner Abkommen hinausgeht.

Zwar bestehen für die Rückgabe auch hier keinerlei rechtliche Zwänge, dennoch stellt Staatssekretär Walter klar: „Wir möchten international ein Signal senden: Unabhängig, um welche Form von unrechtmäßig angeeigneter Kunst es sich gehandelt hat - Baden-Württemberg wird seiner Verantwortung vor der Geschichte gerecht“. Deshalb sei es nicht nur geboten, seiner rechtlichen, sondern auch der moralischen Verpflichtung nachzukommen.

Kooperationsvereinbarung ermöglicht Sonderausstellungen mit griechischen Leihgaben

Die beiden Kunstwerke wurden dem Nationalmuseum in Athen im Beisein des griechischen Kulturministers übergeben.

Ein weiterer Aspekt der Reise: Die Rückgabe eröffnet für das BLM neue Möglichkeiten der Kooperation. Die letzten 30 Jahre seien Ausstellungen mit Leihgaben aus Griechenland aufgrund des schwelenden Streits um die Kykladenkunstwerke nicht möglich gewesen, erklärte Harald Siebenmorgen.

Eine Kooperationsvereinbarung, die ebenfalls am heutigen Tag unterzeichnet wurde, ebnet nun den Weg für solche Unterfangen. Siebenmorgen: „Ein zusammenwachsendes Europa hat einen immensen kulturellen Erklärungsbedarf. Deshalb ist die Kooperation der Museen zum Zwecke qualitativ hochwertiger Sonderausstellungen viel wichtiger, als ein doch sehr zweifelhafter Objektfetisch im Museumsdepot“.

Weitere Informationen

Fast 30 Jahre musste sich das BLM von den griechischen Antikenbehörden Kritik gefallen lassen. Grund für diese Missstimmung war der Ankauf eben dieser beiden Objekte der so genannten Kykladenkultur des 3. Jahrtausends v. Chr.

1975 erwarb der damalige Kurator die Objekte aus dem Kunsthandel, auch in Vorbereitung auf die ein Jahr später gezeigte „Kunst der Kykladen“-Ausstellung.  Es handelte sich dabei mit ziemlicher Sicherheit um Raubkunst.

Eine große Anzahl von bisher unbekannten Objekten vorwiegend aus Privatsammlungen wurde bei dieser erfolgreichen Ausstellung präsentiert. Für Griechenland stellte dies eine Provokation dar, denn schon damals kämpften die Behörden intensiv gegen Raubgräberei und Ausplünderung des kulturellen Erbes.

Als Zeichen der Wiedergutmachung werden nun zwei prominente Objekte der Kykladensammlung des BLM an die Republik Griechenland zurückgegeben.

1. Bezeichnung: Kykladenidol
Material: Marmor
Maße: H. 88,8 cm, B: 17,8 cm, T: 6,00 cm
Fundort: Kykladen, Griechenland
Datierung: 2700-2300 v. Chr.
Derzeitiger Marktwert: siebenstellig

2: Bezeichnung: Griffschale
Material: Chloritschiefer (grünlicher Stein)
Maße: Durchmesser 17,5 cm, H: 19,7 cm, T: 2,8 cm
Fundort: aus Naxos, Griechenland
Datierung: um 2700-2400 v.Chr. (ägaische Bronzezeit)
Derzeitiger Marktwert: sechsstellig

Um den Zwiespalt zu beenden und die neue Freundschaft zu besiegeln, wird nun ein neues Projekt in enger Kooperation mit den griechischen Kollegen und Behörden in Angriff genommen. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeiten soll in drei Jahren im BLM präsentiert werden: eine Ausstellung über die Welt des homerischen Helden Agamemnon, nämlich das mykenische Hellas.


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