Fußgängerverkehr

Reallabor GO Karlsruhe präsentiert Ergebnisse

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer stimmt bei einem Feldversuch zum Rad- und Fußgängerverkehr in der Innenstadt von Karlsruhe über das Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern ab. (Bild: © picture alliance/Sönke Möhl/dpa)
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer stimmt bei einem Feldversuch zum Rad- und Fußgängerverkehr in der Innenstadt von Karlsruhe über das Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern ab.

Seit 2015 unterstützt das Land mit rund 18 Millionen Euro insgesamt 14 Reallabor-Vorhaben. Gemeinsam mit Akteuren aus Gesellschaft und Wirtschaft arbeiten Wissenschaftler dabei in ergebnisoffenen Prozessen an zukunftsfähigen und nachhaltigen Lösungen. Ein Projekt war die Erforschung des Fußgängerverkehrs in Karlsruhe.

Das vom Land geförderte Reallabor GO Karlsruhe hat über drei Jahre den Fußgängerverkehr in Karlsruhe erforscht. Hier ging es um nachhaltige Mobilität, ganz besonders um Fußgängerinnen und Fußgänger und um deren Bedürfnisse – sie sind die schwächsten Verkehrsteilnehmenden mit der geringsten Lobby. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat bei einem Rundgang in Karlsruhe Bilanz gezogen.

„Reallabore sind ein gutes Instrument, mögliche Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit einfach mal auszutesten und dabei auch eine nachhaltige Entwicklung und die gesellschaftlichen Veränderungen im Blick zu haben. Solche großen Lern- und Gestaltungsprozesse schafft keiner alleine: Sie setzen eine gelingende Kooperation von Wissenschaft und Gesellschaft voraus. Ich freue mich sehr darüber, dass diese Zusammenarbeit bei GO Karlsruhe außerordentlich fruchtbar war. Die Ergebnisse werden weit über Karlsruhe hinauswirken. Auch andere Städte werden von den hier gewonnenen Erfahrungen und entwickelten Tools profitieren“, sagte Ministerin Bauer am Dienstag (29. Oktober). Gelungen sei es, eine größere Sensibilität für die Situation von Fußgängerinnen und Fußgängern zu schaffen und den gegenseitigen Respekt der verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu stärken.

Reallabore sind ein Erfolgsmodell „made in BW“

„Reallabore machen das Leben zum Experimentierfeld und bieten die Möglichkeit, an wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen auf kreative Weise heranzugehen. Ich freue mich, dass es gelungen ist, mit den insgesamt 14 vom Land geförderten Reallaboren landesweit neue Ideen zu entwickeln und Prozesse anzustoßen. Unsere Reallabore sind daher ein Erfolgsmodell ‚made in BW‘“, so die Ministerin weiter.

„Mit dem Reallabor GO Karlsruhe konnten wir zeigen, dass Verbesserungen für den Fußverkehr in der Stadt nicht nur vielfach gewünscht, sondern auch möglich sind. Die Realexperimente, die wir in Kooperation mit der Stadt durchführen konnten, boten uns den idealen Rahmen, Ideen ‚einfach einmal‘ gemeinsam mit den Fußgängerinnen und Fußgängern auszuprobieren und deren Wirkungen in situ von den Menschen bewerten zu lassen. Dabei konnten wir innovative, digitale Kommunikationsformen entwickeln. Die Methodik und Erkenntnisse aus den Experimenten sind hochgradig auf andere Maßnahmen und Orte übertragbar. Gemeinsam müssen wir uns dafür einsetzen, den Fußverkehr in den Städten wieder attraktiver zu machen. Dies ist nicht nur ein Gewinn an Lebensqualität und Mobilität, sondern auch nachhaltig. Für uns alle!“, sagte Projektleiter Prof. Dr. Christoph Hupfer.

GO Karlsruhe untersucht Präferenzen von Fußgängerinnen und Fußgängern

Das Reallabor GO Karlsruhe an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft hat mit digitalen Methoden untersucht, wie die Stadt fußgängerfreundlicher gestaltet werden kann. Präferenzen von Fußgängerinnen und Fußgängern wurden gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern erforscht und Maßnahmen zur Förderung des Fußgängerverkehrs in Experimenten getestet. Das Reallabor GO Karlsruhe ist für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung nominiert und gewann 2019 den Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr in der Kategorie „Verkehr im Dialog“. Das Wissenschaftsministerium hat GO Karlsruhe mit rund 1,2 Millionen Euro gefördert.

Land fördert seit 2014 insgesamt 14 Reallabor-Vorhaben

Das Wissenschaftsministerium bringt diese neuartigen Konzepte der Forschung voran: In Baden-Württemberg werden seit 2015 mit zwei Förderlinien insgesamt 14 Reallabor-Vorhaben mit rund 18 Millionen Euro unterstützt, was in dieser Weise weltweit einmalig ist. In der ersten Förderlinie „Reallabore - BaWü-Labs“ wurden sieben Reallabore mit rund 10 Millionen Euro gefördert. In der zweiten Förderlinie „Reallabor Stadt“ stellt das Wissenschaftsministerium für weitere sieben Forschungsprojekte, die zukunftsfähige Lösungen für Ballungsräume erproben, insgesamt rund acht Millionen Euro bereit.

Reallabore machen das Leben zum wissenschaftlichen Experimentierfeld: Gemeinsam mit Akteuren aus Gesellschaft und Wirtschaft arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem ergebnisoffenen Prozess an zukunftsfähigen und nachhaltigen Lösungen. Reallabore unterscheiden sich wesentlich von anderen Forschungsformaten durch das Ko-Design von Wissenschaft und Praxis, ihre Transdisziplinarität, zivilgesellschaftliche Orientierung und durch ihren Laborcharakter.

Förderlinie: „Reallabore, BaWü-Labs, für eine Forschung für Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg“

Projektkoordination Universität Freiburg: Wissensdialog Nordschwarzwald - Ein Reallabor Projekt (WiNo)

Projektkoordination KIT Karlsruhe: Reallabor 131: KIT findet Stadt

Projektkoordination Universität Stuttgart: Future City Lab-Stuttgart - Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur

Projektkoordination Universität Ulm/Hochschule Reutlingen: Nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft am Standort Dietenheim

Projektkoordination Universität Heidelberg: Urban office – Nachhaltige Stadtentwicklung in der Wissensgesellschaft

Projektkoordination Hochschule für Technik Stuttgart: EnSign Reallabor - Klimaneutrale Hochschule als Partner der Region

Projektkoordination Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart: Space Sharing – Nutzungsintensivierung des Gebäudebestands durch Mehrfachnutzung

Förderlinie: „Reallabore Stadt“

Projektkoordination Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft: GO Karlsruhe 

Projektkoordination Universität Stuttgart: Reallabor Stadt:quartiere 4.0 - frühzeitige gestaltende Bürgerbeteiligung für eine nachhaltige Entwicklung in Baden-Württemberg

Projektkoordination Pädagogische Hochschule Heidelberg: Asylsuchende in der Rhein-Neckar-Region – Sprachkompetenz, Beschäftigungsfähigkeit und sozialer Anschluss“

Projektkoordination SRH Hochschule Heidelberg: STADT-RAUM-BILDUNG – Reallabor für die nachhaltige Planung von Bildungslandschaften und die Integration von Aus- und Umbauten von Schulgebäuden

Projektkoordination Universität Tübingen: Energielabor Tübingen – Potenziale, Partizipation, Perspektiven

Projektkoordination Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Reallabor Schorndorf – Zukunftsweisender ÖV. Bürgerorientierte Optimierung der Leistungsfähigkeit, Effizienz und Attraktivität im Nahverkehr

Projektkoordination Hochschule Heilbronn: BUGA:log – Logistische Nahversorgung im urbanen Raum mit automatisierten Transporteinheiten im Rahmen der Bundesgartenschau 2019 mit Quartiers- und Stadtteilentwicklung „Neckarbogen“