Sicherheit

Organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität in 2025

Mit konsequenter Ermittlungsarbeit, modernen Bekämpfungsansätzen und einer engen nationalen wie internationalen Zusammenarbeit geht das Land konsequent im Kampf gegen Organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität vor.

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Ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, Abteilung Cyberkriminalität, während der Online-Recherche.

Die Polizei Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr 46 Ermittlungsverfahren gegen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität geführt. Der Schwerpunkt liegt weiterhin im Bereich der Rauschgiftkriminalität. Gleichzeitig gewinnen Cyberkriminalität, Geldwäsche und komplexe Wirtschaftsstraftaten zunehmend an Bedeutung.

„Organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität bedrohen unseren Rechtsstaat und unsere Innere Sicherheit. Kriminelle Netzwerke agieren international, hochprofessionell und passen ihre Strukturen und Vorgehensweisen fortlaufend neu an. Mit konsequenter Ermittlungsarbeit, modernen Bekämpfungsansätzen und einer engen nationalen wie internationalen Zusammenarbeit setzen wir diese Kriminellen massiv unter Druck. Seit Juli 2025 nehmen wir mit unserer Taskforce Finanzkriminalität Baden-Württemberg die finanziellen Strukturen krimineller Netzwerke noch stärker ins Visier. Illegale Gewinne schöpfen wir konsequent ab und fassen dort hin, wo es wirklich wehtut“, sagte der Stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Manuel Hagel anlässlich der Vorstellung des Berichts zur Organisierten Kriminalität und Wirtschaftskriminalität für das Jahr 2025.

Zahlen, Daten, Fakten

Die Polizei Baden-Württemberg führte im Jahr 2025 insgesamt 46 Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität, das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr (2024: 41). Kriminalitätsschwerpunkt bleibt die Rauschgiftkriminalität mit 25 Verfahren (54,3 Prozent). Es folgen die Cyberkriminalität mit zehn Verfahren (21,7 Prozent) sowie die Wirtschaftskriminalität mit vier Verfahren (8,7 Prozent). Verfahren wegen Eigentumskriminalität bleiben mit einem Fall die Ausnahme.

Zusätzlich zu den Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität hat die Polizei Baden-Württemberg im Jahr 2025 noch insgesamt 195 Verfahren im Vorfeld der Organisierten Kriminalität (sogenannte qualifizierte Bandenverfahren im Vorfeld der Organisierten Kriminalität) geführt (2024: 248). Die Schwerpunkte liegen bei der Rauschgiftkriminalität mit 81 Verfahren (41,5 Prozent) sowie der Eigentumskriminalität mit 59 Verfahren (30,3 Prozent). Weitere Verfahren entfallen unter anderem auf die Bereiche Wirtschaftskriminalität, Cyberkriminalität sowie Geldwäsche-, Steuer- und Zolldelikte.

Im Fokus der Ermittlungen stehen internationale Tätergruppierungen sowie Strukturen der italienischen Organisierten Kriminalität, der Russisch-Eurasischen Organisierten Kriminalität, der Clankriminalität und der Rockerkriminalität.

Wirtschaftskriminalität

Die Straftaten, die im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben stehen, steigen im Jahr 2025 um 7,6 Prozent auf 5.944 Fälle (2024: 5.524 Fälle) an. Sie bleiben damit unter dem Zehnjahresmittelwert von rund 6.800 Fällen. Der entstandene Vermögensschaden nimmt um 3,9 Prozent auf rund 275,6 Millionen Euro (2024: 265,2 Millionen Euro) zu. Damit verursacht die Wirtschaftskriminalität im vergangenen Jahr rund ein Drittel des Gesamtschadens aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Straftaten in Baden-Württemberg.

Die Fallzahlen des Subventionsbetrugs haben sich mit 693 Fällen (2024: 341 Fälle) mehr als verdoppelt. Der entstandene Schaden beläuft sich auf rund 37 Millionen Euro (2024: 20 Millionen Euro). Der Anstieg ist insbesondere auf nachträgliche Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit den Corona-Soforthilfen zurückzuführen.

Betrügerische Anrufstraftaten wie „Falscher Polizeibeamter“, „Enkeltrick“ und „Schockanruf“ bleiben weiterhin ein Schwerpunkt. Für diese drei Tatphänomene ist ein Anstieg der Straftaten um 66,0 Prozent auf 14.571 Fälle (2024: 8.780 Fälle) zu verzeichnen. Der verursachte Vermögensschaden beträgt rund 21,8 Millionen Euro (2024: 18,4 Millionen Euro). Gleichzeitig verblieben 96,3 Prozent der bekannt gewordenen Taten im Versuchsstadium.

Anlagebetrug im Internet gewinnt an Bedeutung

Eine zunehmende Bedeutung gewinnt der sogenannte „Cybertrading-Fraud“ (Anlagebetrug im Internet). Internationale Tätergruppierungen nutzen professionelle technische Infrastrukturen, um Geschädigte zu vermeintlichen Investitionen in nicht existente Finanzprodukte zu bewegen. In der Gesamtbetrachtung dieses Phänomens ist ein Anstieg der Straftaten um 45,5 Prozent auf 5.593 Fälle zu beobachten (2024: 3.845 Fälle). Der Gesamtschaden beläuft sich auf 212,8 Millionen Euro.

Die Polizei Baden-Württemberg begegnet diesen Entwicklungen mit spezialisierten Ermittlungsstrukturen, internationalen Kooperationen und neuen Bekämpfungsansätzen. Mit der Operation „Herakles“ wurden beispielsweise technische Infrastrukturen von Tätergruppierungen im Bereich des „Cybertrading-Frauds“ gezielt identifiziert und abgeschaltet.

Neben repressiven Maßnahmen setzt die Polizei auf Prävention, insbesondere bei betrügerischen Anrufstraftaten. Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu sensibilisieren und den Schutz potenzieller Opfer zu stärken.

Hierfür stellt die Polizei beispielsweise Verhaltenshinweise und -tipps zu betrügerischen Straftaten bereit. Zusätzlich teilt die Polizei regelmäßig Informationen über die polizeilichen Social-Media-Kanäle.

Taskforce Finanzkriminalität

Der Kampf gegen die Wirtschafts- und Steuerkriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung stellt die Ermittlungsbehörden regelmäßig vor große Herausforderungen. Deshalb arbeiten seit Anfang Juli 2025 Spezialistinnen und Spezialisten von Polizei, Steuerfahndung und Generalstaatsanwaltschaft in der Taskforce Finanzkriminalität Baden-Württemberg (TafF BW) unter einem Dach zusammen und bündeln ihre Expertise. Ziel ist es kriminellen Strukturen die finanzielle Grundlage zu entziehen.

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