Kunst und Kultur

Mehr als fünf Millionen Euro für die Keltenorte im Land

Baden-Württemberg, Herbertingen: Die Außenansicht zeigt die Nachbauten der keltischen Heuneburg. (Bild: Patrick Seeger / dpa)

Die Landesregierung macht die historische Bedeutung der Kelten für Baden-Württemberg an zahlreichen Fundstätten und Museen im Land sichtbar und erfahrbar. Nun konnten weitere Keltenorte in die Landesförderung aufgenommen werden.

Das Keltenland Baden-Württemberg nimmt Gestalt an: Das Wissenschaftsministerium übersandte kurz vor Weihnachten vier Förderbescheide an bedeutende Keltenfundstätten und -museen im Land. „Wir konnten rund 5,5 Millionen Euro für Projekte am Heidengraben, in Bopfingen, in Freiburg und in Villingen-Schwenningen bewilligen, auch dank der Unterstützung des Bundes, der den Heidengraben und den Bopfinger Ipf in sein Investitionsprogramm für Kultureinrichtungen von nationaler Bedeutung aufgenommen hat“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski.

Insgesamt 5,53 Mio. Euro für Fundstätten und Museen

Neu im Reigen der vom Land geförderten Keltenstätten sind das Archäologische Museum Colombischlössle in Freiburg und das Franziskanermuseum in Villingen-Schwenningen. „Die in Freiburg gezeigten keltischen Funde vom Hoch- und Oberrhein sowie aus der Region Breisach spiegeln die Bedeutung des südbadischen Raums für die keltische Geschichte unseres Landes wider“, erklärte Olschowski. „Ein ebenfalls ganz einzigartiges Monument ist der Magdalenenberg in Villingen-Schwenningen, dessen originale Holzgrabkammer zusammen mit den Grabfunden im dortigen Franziskanermuseum zu sehen ist.“

Im Rahmen der von der Landesregierung beschlossenen Konzeption „Keltenland Baden-Württemberg“ erhält das Museum Colombischlössle eine Förderung von rund 78.000 Euro für ein multimediales Kelten-Projekt. Das Franziskanermuseum Villingen-Schwenningen erhält 40.000 Euro für eine Augmented-Reality-App, die es künftig ermöglicht, ins Innere des Magdalenenbergs und in das keltische Umland des historischen Grabhügels zu schauen.

Das „Erlebnisfelds Heidengraben“, ein neuartiges Besucherzentrum auf dem Gelände des spätkeltischen Oppidums auf der Schwäbischen Alb, erhält nicht nur Unterstützung des Landes in Höhe von 1,75 Millionen Euro. „Ich freue mich, dass auch der Bund für diese kulturpolitische Maßnahme im ländlichen Raum zwei Millionen Euro beisteuert“, so die Staatssekretärin. Die gleiche Konstellation gilt auch für den frühkeltischen Fürstensitz am Ipf, der von der Stadt Bopfingen zu einem zentralen Ort der Kulturvermittlung weiterentwickelt werden soll. „Auch hier kommen zu den 741.000 Euro, die das Land beisteuert, weitere 918.000 Euro aus dem Förderprogramm des Bundes“, erläuterte Olschowski.

Fortschritte bei Förderung und Vernetzung der Keltenstätten

„Das keltische Erbe prägt flächenübergreifend ganz Baden-Württemberg. Aus diesem Grund freut es mich besonders, dass wir trotz der Corona-Pandemie enorme Fortschritte in der Förderung und Vernetzung der Keltenstätten des Landes verzeichnen können“, so die Staatssekretärin. „Auch dem Keltenmuseum in Eberdingen-Hochdorf haben wir bereits eine Landesförderung in Aussicht gestellt. Und ich rechne damit, dass im nächsten Jahr Projekte an weiteren Keltenstätten im Land hinzukommen werden. Die von der Landesregierung beschlossene Konzeption ´Keltenland Baden-Württemberg` nimmt zunehmend Gestalt an.“

Erlebnisfeld Heidengraben

Mit einer Gesamtfläche von 1.662 Hektar ist das Oppidum Heidengraben eine der größten befestigten spätkeltischen Siedlungen Europas. Der Zweckverband Region Heidengraben (bestehend aus den Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben) plant mit dem „Erlebnisfeld Heidengraben“ ein Besucher- und Informationszentrum, welches das kulturelle Erbe mit modernster und interaktiver Technik vermittelt.

Der Ipf (Bopfingen)

Der frühkeltische Fürstensitz am Ipf ist eines der beeindruckendsten Landschaftsdenkmale Baden-Württembergs. Die Stadt Bopfingen will die bestehenden Nachbildungen keltischer Bauten am Fuße des Ipf und die Präsentation des Fürstensitzes in ihrem städtischen Museum im Seelhaus zu einem zentralen Ort der Kulturvermittlung entwickeln. Das Projekt beinhaltet vier Komponenten: den Ausbau des Freilichtmuseums am Ipf, den Bau eines Besucherzentrums, die Neukonzeption der dazugehörigen Ausstellung im städtischen Museum im Seelhaus sowie die digitale Vermittlung der musealen Arbeit.

Archäologisches Museum Colombischlössle Freiburg

Das Colombischlössle entwickelt unter dem Titel ‚Auf den Spuren der Kelten‘ einen interaktiven Multimedia-Guide und ein digitales Adventure-Spiel, das einen spielerischen Zugang zur keltischen Lebenswelt ermöglicht. Die keltische Sammlung des Colombischlössles spiegelt die Bedeutung des südbadischen Raums und insbesondere des Breisgaus und des Ober- und Hochrheins in keltischer Zeit wider.

Magdalenenberg und Franziskanermuseum Villingen-Schwenningen

Der Magdalenenberg ist der größte frühkeltische Grabhügel Europas. In seinem Inneren wurde die größte hallstattzeitliche Grabkammer Mitteleuropas gefunden, die zusammen mit den Grabfunden im Franziskanermuseum in Villingen-Schwenningen zu sehen ist. Die Museums-App des Franziskanermuseums soll mithilfe der Landesförderung um interaktive Augmented-Reality-Elemente erweitert werden. Die App lässt den Inhalt der Grabkammer sowie die Fundstätte Magdalenenberg und ihr historisches Umfeld auf spannende, interaktive Weise wiedererstehen.

Keltenkonzeption „Keltenland Baden-Württemberg“

Die Förderung der vier Projekte ist Teil der kulturpolitischen Landeskonzeption „Keltenland Baden-Württemberg“, in deren Rahmen die historische Bedeutung der Kelten im Land sichtbar und erfahrbar gemacht wird. Das Landesmuseum Württemberg ist der zentrale Anlaufpunkt und Schaufenster der Keltenkonzeption in der Landeshauptstadt. Andere Keltenstätten, die mit Förderungen des Landes unterstützt werden, sind die Heuneburg (Landkreis Sigmaringen) sowie das Keltenmuseum Hochdorf. Weitere Keltenstätten sollen hinzukommen.

Broschüre zum „Keltenland Baden-Württemberg“ (PDF)

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