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Verkehrsunfallbilanz 2017
  • 20.02.2018

Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit vorgestellt

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Innenminister Thomas Strobl haben die Verkehrsunfallbilanz 2017 vorgestellt. Im vergangenen Jahr gab es mehr Verkehrsunfälle, weniger Verletzte, aber mehr Verkehrstote. Der Ministerrat geht jetzt die besorgniserregenden Entwicklungen mit einem Maßnahmenpaket gezielt an.

„Die Unfallbilanz 2017 in Baden-Württemberg fällt negativ aus: zwar gibt es weniger Verletzte, jedoch insgesamt mehr Verkehrsunfälle und mehr Verkehrstote. Die Verkehrsunfälle haben im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht – und das ist nicht nur auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zurückzuführen. Dieser Entwicklung müssen wir entgegen wirken“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Am Vormittag hatte Innenminister Thomas Strobl den Ministerrat über die Entwicklungen der Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg informiert und ein Maßnahmenpaket zur Steigerung der Verkehrssicherheit vorgestellt.

„In der Unfallbilanz gibt es zwei besorgniserregende Entwicklungen: Wir müssen eine drastische Steigerung der Verkehrstoten bei Motorrad- und Lkw-Unfällen verzeichnen. Und insgesamt zeigt sich, dass Ablenkung am Steuer, die Geschwindigkeit und ein nicht angelegter Sicherheitsgurt die Hauptursachen für die Unfälle waren. Das gehen wir jetzt ganz gezielt an: Wir fahren den Kontrolldruck weiter hoch und setzen dazu verstärkt auf neueste Technik. Wir starten eine Bundesratsinitiative zum verpflichtenden Einsatz aktiver Sicherheitssysteme wie dem Notbremsassistenten bei Lkw. Und wir setzen zusammen mit Partnern wie dem ADAC oder dem TÜV neue Präventionsteams und Präventionskampagnen um“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, Thomas Strobl.

Mehr Verkehrsunfälle, weniger Verletzte, aber mehr Verkehrstote

Die Gesamtzahl der registrierten Verkehrsunfälle erreichte im Jahr 2017 einen neuen Höchststand. Insgesamt wurden durch die Polizei 326.457 Verkehrsunfälle erfasst, das waren 3,7 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Die Zahl der Verkehrstoten stieg dabei gegenüber dem Vorjahr um 13,1 Prozent auf 458. Damit konnte der rückläufige Trend des Vorjahres (405 Getötete) nicht fortgesetzt werden. Besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Motorrad- und Lkw-Unfällen. Insgesamt sind 104 Menschen auf dem Motorrad (2016: 75) und 111 Menschen bei Unfällen mit einem Lkw ums Leben gekommen. Dies entspricht einem Plus von 38,7 Prozent (bei Motorrad) beziehungsweise 20,7 Prozent (bei Lkw). Damit geht fast die Hälfte der Verkehrstoten auf diese beiden Verkehrsbeteiligungsarten zurück.

Bei Unfällen mit Personenschaden sind insgesamt 47.794 Menschen verunglückt (Rückgang um 1,6 Prozent), davon 8.401 schwer (Rückgang um 6,6 Prozent).

Bei den Verkehrsunfällen mit Fahrrädern gab es im vergangenen Jahr einen leichten Anstieg auf insgesamt 10.162 (2016: 10.127). 45 Fahrradfahrer wurden tödlich verletzt, davon zehn Pedelec-Nutzer. 32 der 45 tödlich verunfallten Fahrrad- und Pedelec-Nutzer hatten keinen Helm getragen. „Deshalb wird mit der Präventionskampagne ‚HELM TRAGEN. VORBILD SEIN!‘ und ‚Schütze Dein Bestes.‘ weiterhin intensiv auf die unumstrittene Notwendigkeit des Fahrradhelmes hingewiesen“, so Strobl.

Unfallursachen: Geschwindigkeit, Ablenkung und nicht angelegter Gurt

„Die Hauptunfallursache bei tödlichen Verkehrsunfällen ist und bleibt weiterhin die der Verkehrssituation nicht angepasste Geschwindigkeit“, so Strobl. Rund 40 Prozent der Pkw- und rund 70 Prozent der Motorradfahrer waren zu schnell unterwegs, bevor sie starben. Eine vom Innenministerium durchgeführte Auswertung hat darüber hinaus ergeben, dass bei 74 der insgesamt 434 tödlichen Unfälle davon auszugehen ist, dass „Ablenkung“ die Unfallursache ist. Dies entspricht einem Anteil von 17,1 Prozent (gegenüber 12,4 Prozent in 2016). Auch hatten 63 der insgesamt 226 Getöteten, für die eine Gurtpflicht bestand, keinen Sicherheitsgurt angelegt. Besonders unverantwortlich: 7.406 Fahrzeugführende (Vorjahr 6.216) hatten ihre Kinder – und damit die schwächsten Verkehrsteilnehmer – nicht richtig gesichert.

Verstärkte Verkehrsüberwachung

„Nicht angepasste Geschwindigkeit oder Ablenkung am Steuer kann fatale Folgen haben. Jeder Kilometer zu schnell, jede Unachtsamkeit kann über Leben oder Tod entscheiden. Das ist definitiv kein Bagatelldelikt. Das Einhalten der Geschwindigkeit und die Konzentration im Straßenverkehr sind das A und O. Die negative Entwicklung in diesem Bereich können wir nicht hinnehmen! Deshalb werden wir den Kontrolldruck hochfahren und zur gezielten Verkehrsüberwachung auch noch einmal zusätzlich in modernste, digitale Verkehrsüberwachungstechnik investieren“, sagte Innenminister Thomas Strobl. Dazu werde jetzt zum Beispiel ein sogenannter „Enforcement-Trailer“ für die Geschwindigkeitsüberwachung auf Bundesautobahnen beschafft. Dieses, in einem Lkw-Anhänger verbaute, digitale Geschwindigkeitsmessgerät kann Tempolimits automatisch, auch über mehrere Tage, überwachen. Darüber hinaus werden auch verstärkt zivile Video-Pkw, Handlasermessgeräte und mobile, digitale Geschwindigkeitsmessgeräte eingesetzt.

Auch die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer wird konsequent verfolgt. „Bereits im vergangenen Jahr hat die Polizei bei 72.080 Verkehrsteilnehmern die Handynutzung am Steuer zur Anzeige gebracht. 2016 waren es noch 58.793. Den Kontrolldruck werden wir hier ganz gezielt weiter hochhalten“, unterstrich der Innenminister. Darüber hinaus werde sich die Polizei Baden-Württemberg am bundesweiten Kontrolltag (20. September 2018) mit Schwerpunkt „unerlaubte Handynutzung“ unter dem Motto „sicher.mobil.leben“ beteiligen.

Verschärfung der Gesetzgebung

„Die schweren Unfälle der vergangenen Tage, unter anderem auf der Bundesautobahn 5 bei Walldorf, haben noch einmal gezeigt, wie wichtig moderne Notbremsassistenten sein können. Im Zweifel retten sie Leben! Deshalb ist es nicht nachzuvollziehen, dass Lkws zwar mit solchen Sicherheitssystemen ausgerüstet sein müssen, diese aber manuell wieder ausgeschaltet werden können. Ein so wichtiges Sicherheitssystem muss dauerhaft in Betrieb sein“, forderte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Deshalb werden wir zu aktiven Sicherheitssystemen wie dem Notbremsassistenten eine erneute Bundesratsinitiative starten und das Thema auch bei der Bundesregierung einspeisen“, sagte Innenminister Thomas Strobl. Unabhängig davon bleibe die Kontrolle des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs weiterhin ein Schwerpunkt der Polizei. Spezialisten der Verkehrspolizei werden neben den Sozialvorschriften und dem technischen Zustand der Lkw auch gezielt die gefahrene Geschwindigkeit sowie den Abstand der Fahrzeuge überwachen. „Bei europaweiten Kontrollwochen verzeichnen wir in Baden-Württemberg eine Beanstandungsquote von 41,1 Prozent. Dies unterstreicht die Notwendigkeit der polizeilichen Kontrollen des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs“ betonte Minister Thomas Strobl.

Vernetzte Maßnahmen bei der Unfallprävention

„Gerade die hohen und schlimmen Motorradunfälle nehmen wir sehr ernst. In der Motorradsaison von Anfang März bis Ende Oktober kam an jedem vierten Tag ein Motorradfahrer durch einen selbst verschuldeten Unfall ums Leben. Deshalb werden wir jetzt neue Präventionsteams bei allen Polizeipräsidien einsetzen. Zusammen mit dem TÜV, dem ADAC und weiteren Partnern unserer Verkehrsinitiative ‚GIB ACHT IM VERKEHR‘ werden wir die Bikertreffpunkte aufsuchen und ganz gezielt auf die Motorradfahrer zugehen“, kündigte Innenminister Thomas Strobl an. Dazu gehöre auch eine Intensivierung des Angebots der fahr- und sicherheitstechnischen Beratung.

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr bei 12.615 Veranstaltungen über eine Viertelmillion Menschen im Land für die Verkehrssicherheit sensibilisiert werden. Gemeinsam mit Partnern der Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VERKEHR werden derzeit zahlreiche landesweite Präventionsprojekte erfolgreich umgesetzt. Das jüngste Projekt ist die Kampagne zum Thema „Rettungsgasse“, die letzte Woche an den Start ging.

Kampagne „Rettungsgasse – rettet Leben“ gestartet

Bilder der Pressekonferenz zum Herunterladen

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