Heimat

Landespreis für Heimatforschung 2020 verliehen

Sieben Autorinnen und Autoren erhalten den Landespreis für Heimatforschung 2020. In ihren Forschungsarbeiten haben sie Facetten der geschichtlichen Entwicklung in verschiedenen Orten untersucht.

Der mit insgesamt 17.500 Euro dotierte Landespreis für Heimatforschung 2020 geht an sieben Autorinnen und Autoren beziehungsweise Autorenteams, die sich mit lokalgeschichtlichen Themen beschäftigen. In ihren ehrenamtlich erstellten Forschungsarbeiten haben die Preisträgerinnen und Preisträger Fragestellungen zur geschichtlichen Entwicklung in den Kommunen Bad Urach, Göppingen, Kernen, Kirchzarten, Mosbach, Obrigheim und Stuttgart-Vaihingen untersucht.

Lokal- und Regionalgeschichte im Fokus

„Die weltweite Vernetzung schärft unseren Blick für kulturelle Vielfalt. Dadurch entsteht eine erweiterte Perspektive auf unsere eigene regionale Identität. Die mit dem Landespreis für Heimatforschung ausgezeichneten Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag zu der kulturellen Identität Baden-Württembergs, indem sie neue und interessante Aspekte aus der Lokal- und Regionalgeschichte behandeln, festhalten und weitergeben. Gerne hätte ich die Preise auch in diesem Jahr persönlich übereicht. Alle Preisträgerinnen und Preisträger beglückwünsche ich auf diesem Weg umso herzlicher und danke für ihr Engagement“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski.

Die ausgezeichneten Arbeiten behandeln vielfältige Themen, wie die Darstellung der Ortsgeschichte einer kleinen schwäbischen Gemeinde, die detailliert das dörfliche Geschehen während der letzten Jahre der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit unter französischer Besatzung widergibt, oder die Geschichte eines legendären württembergischen Weins. Im Rahmen des Themas Integration befassten sich die Preisträger mit den „Gastarbeitern“ in einem schwäbischen Landkreis oder auch mit gesammelten Lebensgeschichten zu den Opfern der NS-Euthanasie. Zwei Schülerarbeiten setzten sich mit den Themen Zwangsarbeit während des zweiten Weltkriegs und mit der Rolle von Frauen in der Kommunalpolitik auseinander.

Die ausgezeichneten Arbeiten wurden aus 109 eingereichten Bewerbungen ausgewählt. Der unabhängigen Jury gehörten Vertreterinnen und Vertreter des Landesausschusses Heimatpflege sowie Persönlichkeiten aus der Forschung und dem Schulbereich an. Neben den mit einem Preisgeld dotierten Auszeichnungen wurden auch vier Arbeiten mit Anerkennungsurkunden gewürdigt. Heimatforschung erstreckt sich auf ein breites Themenspektrum, das von der Orts-, Siedlungs- und Naturgeschichte über Themen zur Migration bis hin zu lokalen Traditionen und Lebensläufen herausragender Persönlichkeiten reicht.

Die Preisträgerinnen und Preisträger

  • Erster Preis (5.000 Euro): Dorothee Sahm-Stotz (Bad Urach), „Dass nicht vergessen werde...“
  • Zweiter Preis (2.500 Euro): Folkmar Schiek (Stuttgart), „Conrad Johann Glückselig (1864 bis1934) Ein Vaihinger Paracelsus-Forscher und Theosoph“
  • Zweiter Preis (2.500 Euro): Andreas Udo Fitzel (Kernen), „Stettener Brotwasser. Geschichte(n) eines legendären Weines. Von starkem Wein, starken Frauen und höfischem Glanz im Remstal“
  • Jugendförderpreis (2.500 Euro): Aaron Horn (Göppingen), „Gastarbeiter im Landkreis Göppingen – Von der Anwerbung zur Integration“
  • Jugendförderpreis (2.500 Euro): Max Ehrmann (Obrigheim), „‚Ich kann es gar nicht begreifen, warum man gerade mich so behandelt...‘ Gedenkbuch der gesammelten Lebensgeschichten zu den Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“ aus der Gemeinde Obrigheim (Baden)“
  • Schülerpreis (2.500 Euro): Geschichts-AG des Nicolaus-Kistner-Gymnasium (Mosbach), „‚Nicht nur reden, sondern (mit)machen!‘ Frauen in der Mosbacher Kommunalpolitik“
  • Schülerpreis (2.500 Euro): Simon Buchgeister, Sidonie Halbrock und Adelheid Prinz (Kirchzarten), „Hitlers Sklaven. Zwangsarbeit im Dreisamtal während des Zweiten Weltkrieges“

Anerkennungsurkunden

In Anerkennung der herausragenden Leistungen für die Heimatforschung im Land Baden-Württemberg wurden zusätzlich folgende Werke mit einer Anerkennungsurkunde ausgezeichnet und zur Dokumentation dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg übergeben:

  • Melina Saile, Schülerin (Hechingen): „Das Gymnasium Hechingen im Windschatten der epochalen Proteste von 68 – Die politische Partizipation der Schüler des Gymnasiums Hechingen in den Jahren 1968/69 veranschaulicht am Beispiel des Steuben-Gedenksteins“
  • Tine Limberg, Schülerin (Lichtenau): „Kehl am Rhein: Von der Grenz- zur Brückenstadt Inwieweit ist der Gegner von einst Partner im grenzüberschreitenden Dialog?“
  • Ulrich Merz (Eppingen): „Eppinger Eisenbahngeschichte(n)“
  • Günther Schwarz (Waldenbuch): „Der Bezenberg. Ein bewaldeter Höhenrücken zwischen Aich und Schaich im nördlichen Schönbuch“

Aufgrund der Corona-Pandemie werden die Preise im kleinen Kreise, aber im würdigen Rahmen verliehen. Der traditionell übliche Festakt zur Preisverleihung am Tag nach dem Buß- und Bettag bildet seit vielen Jahren den Abschluss der Heimattage Baden-Württemberg, die von der Stadt Sinsheim in langjähriger Arbeit mit viel Engagement vorbereitet wurden, aber Mitte Mai wegen der Pandemie abgesagt werden mussten.

YouTube: Grußbotschaft von Staatssekretärin Petra Olschowski zum Landespreis für Heimatforschung

YouTube: Playlist mit Videos zu den Preisträgerinnen und Preisträgern

Wissenschaftsministerium: Bilder der Preisträgerinnen und Preisträger zum Herunterladen

Landespreis für Heimatforschung

Der Landespreis für Heimatforschung Baden-Württemberg wurde 1981 ins Leben gerufen. Zunächst von den Volks- und Raiffeisenbanken Baden-Württemberg getragen, wird der Preis seit dem Jahr 2000 vom Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Landesausschuss Heimatpflege Baden-Württemberg gestiftet.

Der Preis wird in den Kategorien erster Preis, zweiter Preis, Jugendförderpreis und Schülerpreis verliehen. Ausgezeichnet werden beispielhafte Leistungen auf dem Gebiet der ehrenamtlichen Heimatforschung, die nicht im Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Ausbildung oder darauf aufbauenden beruflichen Tätigkeit entstanden sind. Sowohl die Werke der Preisträger als auch der Empfänger einer Anerkennungsurkunde werden im Haus der Geschichte Baden- Württemberg in Stuttgart dokumentiert und archiviert. Die in diesem Jahr erstmalig ausgeschriebene Preiskategorie „Heimatforschung digital“ bleibt unbesetzt.

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