Gesundheit

Land beschließt Ausbau der Medizinstudienplätze

Ein Student im Praktischen Jahr am Universitätsklinikum Heidelberg, spricht in der Chirurgie mit einem Patienten.

Die Landesregierung hat einen deutlichen Ausbau der Anzahl der Studienanfängerplätze in der Humanmedizin sowie ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Allgemeinmedizin und der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen beschlossen.

Das Kabinett hat einen deutlichen Ausbau der Anzahl der Studienanfängerplätze in der Humanmedizin beschlossen. Ebenso wie ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der Allgemeinmedizin und der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen.

Flächendeckende ärztliche Versorgung ist eine der zentralen Herausforderungen

„Die flächendeckende ärztliche Versorgung ist eine der zentralen Herausforderungen für unser Gesundheitssystem“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Das zeige die Corona-Pandemie jeden Tag auf deutliche Weise. „Aber bereits vor der Krise haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Situation vor allem im ländlichen Raum verbessern können.“

Medizinstudierende frühzeitig für Landarztberuf begeistern

„Wir sind in Baden-Württemberg schon sehr gut aufgestellt, was die Stärkung der Allgemeinmedizin angeht“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer mit Verweis auf die Kooperationen zwischen Unikliniken und Lehrpraxen im ganzen Land. „Mit unserem breit angelegten Maßnahmenpaket werden wir noch mehr Wirkung entfalten.“ Die Ministerin sieht zwei Schlüssel, um die Herausforderungen zu meistern: „Zum einen kann es gelingen, die Medizinstudierenden frühzeitig für den Landarztberuf zu begeistern, zum anderen müssen wir sie natürlich für dieses Tätigkeitsfeld umfassend qualifizieren. Für die Zeit nach dem Studium bedarf es zudem konkreter Anreize, damit sich Absolventinnen und Absolventen in einer ländlichen Region niederlassen“, sagte Theresia Bauer.

Gesundheitsminister Manne Lucha sagte: „Unser Ziel ist es, dass alle Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg auch in Zukunft die passende und bestmögliche medizinische Versorgung bekommen – egal ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt. Der Ausbau der Medizinstudienplätze ist dafür ein wichtiger Baustein. Auch die Landarzt-Quote soll dazu beitragen, das Praxissterben im ländlichen Raum einzudämmen. Daneben braucht es angesichts des demographischen Wandels aber auch neue Konzepte und innovative Versorgungsmodelle. Bislang strikt getrennte Sektoren der medizinischen Versorgung müssen stärker ineinandergreifen. Ein Beispiel dafür sind die vom Land geförderten Primärversorgungszentren, in denen Angehörige unterschiedlicher Gesundheitsberufe eng zusammenarbeiten. Sie entlasten die Krankenhäuser und sichern die Gesundheitsversorgung gerade in ländlichen Regionen.“

Mehr Medizinstudienplätze

Das Kabinett hatte zuvor die Erhöhung der Anzahl der Studienanfängerplätze beschlossen. Demnach richtet Baden-Württemberg zum Wintersemester 2020/21 in zwei Stufen 150 zusätzliche Studienanfängerplätze Humanmedizin an den fünf Medizinischen Fakultäten in Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen und Ulm ein. Damit gibt es 1.631 Studienanfängerplätze ab dem Studienjahr 2020/2021 und 1.699 Studienanfängerplätze ab dem Studienjahr 2021/22 im Land. Die Hälfte der zusätzlichen 150 Medizinstudienplätze wird für Studierende reserviert, die sich mit Beginn ihres Studiums für eine Tätigkeit als Landarzt nach der Ausbildung verpflichten.

Medizinische Versorgung im Ländlichen Raum stärken

Das umfassende Maßnahmenpaket zur Stärkung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum beinhaltet neben dem Ausbau auch inhaltliche Neuerungen, die die angestrebten Reformen des Masterplans Medizinstudium 2020 bereits vorwegnehmen. Hervorzuheben sind insbesondere:

  • Stärkung der Allgemeinmedizin, Vorbereitung auf und Motivation für eine Tätigkeit als niedergelassene/r Ärztin/Arzt 
  • Besondere Berücksichtigung der Belange der ländlichen Regionen
  • Stärkung der Vermittlung praktischer Kompetenzen und Fertigkeiten
  • Forschungsbasierung der Ausbildung
  • Nutzung der Chancen der Digitalisierung für die Lehre

Bauer ist sich sicher: „Einzelne, nicht in ein Gesamtkonzept eingebettete Maß-nahmen werden dem Ärztemangel nicht entgegenwirken können.“ Auch bezüglich der weiteren Gesundheitsberufe bringt das Land zudem Reformen auf den Weg. So wird unter anderem durch die Akademisierung von Gesundheitsfachberufen das Fachkräftepotenzial in allen Regionen des Landes erweitert. Im Fokus des Ausbaus steht zudem die Sicherung der medizinischen Versorgung auf dem Land. Das neue Neigungsprofil „Landarzt-Track“, das ab dem kommenden Wintersemester 2020/21 im Medizinstudium in Baden-Württemberg verankert werden soll, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Neigungsprofil Ländliche Hausarztmedizin – der „Landarzt-Track“

„Die allgemeinmedizinische Versorgung auf dem Land bietet viele spannende Perspektiven für angehende Ärztinnen und Ärzte. Ziel des ‚Landarzt-Tracks‘ ist es deshalb, frühzeitig Begeisterung für dieses Tätigkeitsfeld zu wecken, die da-für notwendigen Kompetenzen zu vermitteln und einen klaren Karriereweg in die primärärztliche Versorgung zu bahnen. Motivation und Freiwilligkeit sind der Schlüssel, um junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen“, betonte Ministerin Theresia Bauer.

Mit dem neuen Neigungsprofil bieten die Medizinischen Fakultäten in Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Tübingen und Ulm ihren Studierenden die Möglichkeit, bereits im Studium die vielfältigen Aspekte der Allgemeinmedizin kennenzulernen und sich optimal für eine spätere Tätigkeit auf dem Land zu qualifizieren. Die Studierenden können künftig in jedem Semester spezielle, inhaltlich aufeinander abgestimmte Ausbildungsmodule wählen. Der Einstieg ist in jeder Phase des Studiums möglich – vom „Landarzt-Track“ und der Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium profitieren damit alle Medizinstudierenden. In den Kursen werden sie auch mit regionalen Akteuren wie etwa Hausärztinnen und Hausärzten, regionalen ambulanten und stationären Versorgungszentren sowie Gemeinden, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Landrätinnen und Landräten zusammengebracht. „Die Idee dabei ist, die Studierenden bereits frühzeitig für eine Region zu interessieren und, was noch wichtiger ist, Kontakte dorthin zu knüpfen“, betonte Bauer.

Weitere Schritte nötig

Nötig seien darüber hinaus weitere Schritte: Die engere Vernetzung und Anbindung der niedergelassenen Ärzte an die Forschung der Unikliniken vor Ort, die effektive Nutzung der Telemedizin, die Ausweitung innovativer Versorgungsmodelle wie Medizinische Versorgungszentren und nicht zuletzt auch infrastrukturelle Maßnahmen, beispielsweise bezüglich des Nahverkehrs oder Kulturangeboten, um die Attraktivität des Landarztberufes für junge Absolventinnen und Absolventen zu erhöhen. „Hier arbeiten wir innerhalb der Landesregierung mit ganzer Kraft zusammen“, betonte Theresia Bauer.

Digitalisierung kann medizinische Versorgung in ländlichen Regionen stärken

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