Medizinethik

Kabinett billigt Staatsvertrags-Entwurf zur Präimplantationsdiagnostik

Zur Durchführung der Präimplantationsdiagnostik wird Baden-Württemberg mit Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen gemeinsam eine Ethikkommission bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg errichten.

Den von Gesundheitsministerin Katrin Altpeter vorgelegten Entwurf eines entsprechenden Staatsvertrages hat das Kabinett gebilligt und damit zugleich die Ministerin ermächtigt, den Staatsvertrag nach der Vorabunterrichtung des Landtags zu unterzeichnen. Er konkretisiert die Vorgaben der Präimplantationsdiagnostikverordnung des Bundes (PIDV) für die Durchführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in einem PID-Zentrum, insbesondere die Zuständigkeit der gemeinsamen Ethikkommission, ihre Zusammensetzung, die Benennung und Berufung der Mitglieder sowie die Berichtspflicht der Kommission gegenüber den beteiligten Ländern.

Als Präimplantationsdiagnostik (PID) wird die genetische Untersuchung eines außerhalb des Körpers (in vitro) erzeugten Embryos vor dessen Implantation in die Gebärmutter der Frau bezeichnet.

Altpeter: „Mit dem Staatsvertrag schaffen wir eine zentrale Einrichtung zur Durchführung der Präimplantationsdiagnostik und unterstützen so die Zielrichtung des Gesetzgebers, die Behandlung nur ausnahmsweise und nur unter strengen Vorgaben zuzulassen.“

Nach § 3 a des Embryonenschutzgesetzes darf die Präimplantationsdiagnostik (PID) nur in Ausnahmefällen bei genetischer Vorbelastung der Eltern durchgeführt werden, wenn die Gefahr einer schwerwiegenden Erbkrankheit des Kindes oder einer Tot- oder Fehlgeburt auf Grund dieser Erkrankung besteht.

Nach der am 1. Februar 2014 in Kraft getretenen Verordnung des Bundes zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik (Präimplantationsdiagnostikverordnung, PIDV) ist die Durchführung der PID nur in zugelassenen PID-Zentren und nur zulässig, nachdem eine Ethikkommission auf Antrag der Frau, die die Behandlung wünscht, zugestimmt hat. Die Länder haben die PIDV umzusetzen und u. a. Ethikkommissionen für die PID einzurichten. Die Verordnung sieht ausdrücklich vor, dass die Länder sich dabei zusammenschließen können.

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg ist auf Grund der Fachkompetenz und der Erfahrungen u. a. mit der dort angesiedelten Ethikkommission für klinische Prüfungen nach Arzneimittel- und Medizinproduktegesetz nach Auffassung der Landesregierung die geeignete Stelle für die Ansiedelung der PID-Ethikkommission.

In dem Staatsvertrag wird auch geregelt, dass die Landesärztekammer Baden-Württemberg eine Haftpflichtversicherung zur Vorsorge gegenüber Schadensersatzverpflichtungen für Personen- und Vermögensschäden wegen Amtspflichtverletzung durch die Tätigkeit der Ethikkommission abschließt. Eine Öffnungsklausel ermöglicht den Beitritt weiterer Länder zu diesem Staatsvertrag.

Ein ähnliches Abkommen wurde zwischen den Ländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen, Brandenburg und Hamburg getroffen, die gemeinsam eine Ethikkommission für PID bei der Ärztekammer Hamburg eingerichtet haben.

Nach der Billigung durch das Kabinett wird das Sozialministerium nun den Landtag über den beabsichtigten Abschluss des Staatsvertrags unterrichten. Die Unterzeichnung des Staatsvertrags durch Baden-Württemberg und die anderen Länder soll im Anschluss an die Vorabinformation des Landtags erfolgen. Danach soll das Gesetzgebungsverfahren nach Artikel 50 Satz 2 der Verfassung des Landes Baden-Württemberg eingeleitet werden.

Die Ethikkommission

Zusammensetzung

Der Ethikkommission gehören gemäß § 4 Absatz 1 Satz 3 PIDV acht Mitglieder an. Vier medizinische Sachverständige aus den durch die PID berührten Fachrichtungen, jeweils ein Sachverständiger der Fachrichtungen Ethik und Recht sowie jeweils ein Vertreter der für die Wahrnehmung der Interessen der Patientinnen und Patienten und der Selbsthilfe behinderter Menschen auf Landesebene maßgeblichen Organisationen:

  1. eine Humangenetikerin oder ein Humangenetiker,
  2. eine Fachärztin oder ein Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
  3. eine Pädiaterin oder ein Pädiater,
  4. eine ärztliche Psychotherapeutin oder ein ärztlicher Psychotherapeut,
  5. eine Sachverständige oder ein Sachverständiger der Fachrichtung Ethik,
  6. eine Sachverständige oder ein Sachverständiger der Fachrichtung Recht,
  7. eine Vertreterin oder ein Vertreter einer Organisation, die sich in einem der am Staatsvertrag beteiligten Länder maßgeblich für die Wahrnehmung der Interessen der Patientinnen und Patienten engagiert und
  8. eine Vertreterin oder ein Vertreter einer Organisation, die sich in einem der am Staatsvertrag beteiligten Länder maßgeblich für die Wahrnehmung der Interessen der Selbsthilfe der Menschen mit Behinderungen engagiert.

Benennung und Berufung der Mitglieder der Ethikkommission

Die Mitglieder und deren Vertreterinnen oder Vertreter werden nach Beteiligung der jeweils zuständigen Landesärztekammern im Einvernehmen mit allen am Staatsvertrag beteiligten Ländern benannt und von der Landesärztekammer Baden-Württemberg für die Dauer von fünf Jahren berufen. Eine einmalige Wiederberufung ist möglich.

Berichtspflicht und Informationsaustausch

Die Ethikkommission berichtet jährlich gegenüber dem Sozialministerium Baden-Württemberg über die Anzahl der mit Zustimmung versehenen und der abgelehnten Anträge in anonymisierter Form. Der Bericht soll auch Auskunft darüber geben, welche erblichen Krankheiten Gegenstand der Prüfung durch die Ethikkommission waren.

Frau in einem Labor zeigt Test für das neue Coronavirus
  • Coronavirus

Infektionen und Todesfälle in Baden-Württemberg

Minister Thomas Strobl
  • Corona-Pandemie

Minister Strobl beendet freiwillige Quarantäne

  • Coronavirus

Start für #Wellenbrecher

Drei leuchtende Würfel mit Paragrafen-Zeichen liegen auf einer Computer-Tastatur.
  • Corona-Verordnungen

Aktuelle Änderungen der Corona-Verordnungen

Schüler steigen in einen Bus (Bild: © picture alliance/Swen Pförtner/dpa)
  • Coronavirus

Stärkere Förderung zusätzlicher Schulbusse

Ein Polizist steht in der Innenstadt vor einem jungen Mann, der seinen Mund-Nasenschutz anlegt, nachdem er von dem Polizisten darauf hingewiesen worden ist.
  • Coronavirus

Schwerpunkt-Kontrollen zur Einhaltung der Quarantänepflicht

Eine Frau deckt in einem Restaurant in Münstertal einen Tisch ein und trägt Mundschutz.
  • Wirtschaft

Gastgewerbe sieht schwierigem Winter entgegen

Ein Mann steht im Strandbad in Eriskirch (Baden-Württemberg) am Ufer des Bodensees. (Foto: dpa)
  • Tourismus

Sommertourismus leidet unter Corona

Innenminister Thomas Strobl
  • Corona-Pandemie

Minister Strobl vorsorglich in freiwilliger Quarantäne

  • Coronavirus

Land ruft die dritte Pandemiestufe aus

Frau hält Pendler-Schein in der Hand.
  • Coronavirus

Ausnahmen zur Quarantänepflicht für Einreisende

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im öffentlichen Personennahverkehr: Zwei Straßenbahnwagen zwischen dem französischen Straßburg und dem baden-württembergischen Kehl am Rhein (Bild: dpa).
  • Coronavirus

Gegen Einschränkungen im Grenzverkehr

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält während einer Plenarsitzung im Landtag von Baden-Württemberg eine Regierungserklärung.
  • Regierungsinformation

„Wir müssen das Ruder jetzt herumreißen“

Hotelschild (Symbolbild)
  • Coronavirus

Beherbergungsverbot wird aufgehoben

Ein Mund- und Nasenschutz hängt am ersten Schultag des neuen Schuljahres in einer Grundschule in Hemmingen an einem Haken. (Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
  • Schule

Anpassung der Corona-Verordnung Schule an das dynamische Infektionsgeschehen

Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (Bild: Martin Stollberg / Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg)
  • Corona-Hilfen

Bundeswirtschaftsminister plant weitere Corona-Hilfen

Eine Frau zeigt auf eine Leinwand auf der eine Balkengrafik zu sehen ist (Symbolbild: © dpa).
  • Haushalt

Nachtragshaushalt für Corona-Vorsorge und Zunkunftsinvestitionen

Polizei mit Maske
  • Coronavirus

Maskenkontrollen im öffentlichen Nahverkehr

Bundeswehrsoldaten unterstützen in der Pandemie im Landratsamt Heilbronn, Innenminister Thomas Strobl macht sich vor Ort ein Bild.
  • Corona-Pandemie

Bundeswehr unterstützt in der Pandemie

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bild: © dpa)
  • Interview

„Ich bin verhalten optimistisch“

Hebamme führt Ultraschall an einer Schwangeren durch. (Bild: Thorsten Helmerichs / dpa)
  • Gesundheit

Runder Tisch Geburtshilfe zieht positive Bilanz

Eltern und Kinder turnen in einer Sporthalle in Berlin.
  • Coronavirus

Gemeinsamer Appell an die Sportverbände im Land

Frau hält positiven Schwangerschaftstest in den Händen
  • Medizinische Versorgung

Gespräch mit breiter Beteiligung zum Thema Schwangerschaftsabbruch

Ein Beratungsgespräch. (Bild: Roland Weihrauch / dpa)
  • Gesundeheit

Welttag für seelische Gesundheit 2020

Eine Sänger singt in einem Versuchsaufbau, bei dem Reichweiten der Aerosole gemessen werden.
  • Corona-Forschung

„Expertenkreis Aerosole“ startet nächste Woche