Landwirtschaft

Erste Versuchsanlage zur Agrophotovoltaik

In Heggelbach geht am Wochenende die erste Versuchsanlage zur Agrophotovoltaik in Baden-Württemberg ans Netz: Dann sollen auf der Ackerfläche nicht nur landwirtschaftliche Produkte, sondern auch umweltfreundlicher Strom erzeugt werden. Die Anlage, mit einer Leistung von 194 Kilowatt Peak (Spitze), ist ein Pilotprojekt unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE Freiburg.

„Um unsere bäuerlichen Strukturen im Ländlichen Raum zu stärken, sind immer wieder neue Ideen gefragt. Wenn wir dabei auch noch die Energiewende in Baden-Württemberg mitunterstützen können und unsere wertvollen fruchtbaren Böden für die Nahrungsmittelproduktion erhalten bleiben, ist dies auch im Sinne der Nachhaltigkeit umso erfreulicher“, sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch, bei der Eröffnungsfeier der ersten Agrophotovoltaikanlage der Hofgemeinschaft Heggelbach in Herdwangen-Schönach (Landkreis Sigmaringen).

Um ihre Einkommensstruktur zu diversifizieren und damit krisenfester zu werden, haben sich zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe mit der Produktion von Ökostrom in den vergangenen Jahren ein weiteres Standbein aufgebaut. Doch sowohl der Anbau von Energiepflanzen für die Biogaserzeugung als auch die Umwidmung von Ackerflächen in Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen führte oftmals zu Diskussionen um die Landnutzung – denn in der Regel kann auf einer Fläche nicht beides gleichzeitig stattfinden. „Einen Lösungsansatz für diese Konfliktsituation bietet das interdisziplinäre Forschungsfeld ‚Agrophotovoltaik‘ – wie man nun hier im Landkreis Sigmaringen sieht“, betonte Gurr-Hirsch.

Mit der Pilotanlage sollen auch die Auswirkungen derartiger Anlagen auf die Umwelt und die Biodiversität erforscht werden. „Neben umfangreichen agrarwissenschaftlichen Messungen werden auch soziale, ökonomische und ökologische Forschungsfragen das Projekt begleiten. Daraus erhoffen wir uns nach Abschluss der dreijährigen Forschungsarbeiten die notwendigen Erkenntnisse, um die Eignung derartig multifunktionaler Produktionssysteme für Baden-Württemberg besser einschätzen zu können“, sagte die Staatssekretärin.

Hintergrundinformationen

Die Pilotanlage kann den Jahresbedarf an Strom von rund 62 Haushalten decken. Primär wird der gewonnene Strom für die Nutzung auf dem Hof eingesetzt. Nur was hier nicht verbraucht wird, fließt am Einspeisepunkt ins Netz. Dabei werden in fünf Metern Höhe über der Ackerfläche Solarmodule auf Unterkonstruktionen installiert. Dadurch können die Flächen darunter weiterhin für Ackerbau, Sonderkulturen wie zum Beispiel Obst- oder Weinanbau sowie Nutztierhaltung verwendet werden. Eine simultane Gewinnung von Strom und Nahrungsmitteln wird so möglich.

Auf Initiative und unter der Federführung des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) wird dieser Forschungsansatz nun erstmals in Baden-Württemberg bei der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach in die Realität umgesetzt. Rund 24.000 Quadratmeter umfasst die Versuchsfläche. Davon wurden 3.500 Quadratmeter mit einer Photovoltaikanlage mit neuartigen PV-Modulen überbaut die auch auf ihrer Rückseite reflektiertes Licht in Strom umwandeln können. Bifazial oder zweiseitig nennen sich solche Solarzellen. Dadurch wird die Sonnenenergie noch besser genutzt. Auf der restlichen Fläche legen Agrarwissenschaftlerinnen und Agrarwissenschaftler der Universität Hohenheim eine Referenzfläche an. Hier sollen die gleichen landwirtschaftlichen Kulturen wie Kartoffeln, Sellerie, Kleegras und Weizen angebaut werden. Jedoch ohne Solarpanelenüberdachung. Die Forscherinnen und Forscher wollen untersuchen, wie sich die verschiedenen Kulturen unter den Panelen im Vergleich zur Freifläche entwickeln und daraus Rückschlüsse für ihre Eignung ziehen. Dazu sollen die Pflanzenhöhe, die Blattfläche, die Gesundheit der Pflanzen, die Erträge und die Ertragsqualität ermittelt werden. Außerdem stehen im Fokus: die Auswirkungen derartiger Anlagen auf die Umwelt und die Biodiversität.

Das Pilotprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und von der Universität Hohenheim bis 2019 wissenschaftlich begleitet.

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