Tierschutz

Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden von Tierversuchen

Ein Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts Stuttgart hält eine Platte mit Gewebekulturen in seinen Händen. (Bild: Michele Danze / dpa)

Das Land will die Zahl und die Belastung von Versuchstieren verringern. Als wichtiger Standort der biomedizinischen Forschung fördert es deshalb zukünftig drei Projekte, die sich mit der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden bei Tierversuchen beschäftigen.

„Es ist unser erklärtes Ziel, die Zahl und die Belastung von Versuchstieren in Baden-Württemberg weiter zu verringern. Deshalb fördern wir auch in diesem Jahr wieder geeignete Projekte zur Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch. Baden-Württemberg ist ein wichtiger Standort der biomedizinischen Forschung. Dies bringt auch mit sich, dass in vielen Forschungseinrichtungen Tierversuche durchgeführt werden. Diese werden in jedem Einzelfall von den zuständigen Behörden begutachtet und nur bei Erfüllung der strengen rechtlichen Voraussetzungen genehmigt. Wir stehen aber auch zu unserer Verantwortung, Alternativen zu entwickeln. Deshalb fördern wir gezielt die Entwicklung und Anwendung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch in der wissenschaftlichen Forschung und Ausbildung“, sagte Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. In manchen Bereichen, beispielsweise in der angewandten medizinischen Forschung, gebe es noch keine ausreichenden Alternativen. Bestimmte Versuche, beispielsweise zur Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen, seien gesetzlich vorgeschrieben.

Bei der diesjährigen Ausschreibung wurden acht Förderanträge eingereicht. Unter Mitwirkung einer aus Vertretern von Tierschutz und Wissenschaft besetzte Bewertungskommission wurden drei Projekte ausgewählt, die eine Förderung erhalten. Minister Hauk dankt allen Wissenschaftlern, die sich beworben haben, ausdrücklich für ihr Engagement. „Auch die Bewertungskommission, die die Anträge geprüft hat, habe ausgezeichnete Arbeit geleistet“, so Hauk.

  • Humane Stammzellen als individualisiertes Modellsystem für Vorhofflimmern anstelle von Tierversuchen
  • Etablierung eines humanen immunkompetenten dreischichtigen Hautmodells als Alternative zum Tierversuch bei der Testung der Wundheilung und Sensibilisierung
  • Drei Alternativmodelle zu aus Patientenmaterial abgeleiteten Maus-Xenograftmodellen zur Vorhersagbarkeit der Therapieantwort von Kindern mit Krebs (Maus-PDX Alternativen)

Minister Hauk dankt allen Wissenschaftlern, die sich beworben haben, ausdrücklich für ihr Engagement. „Auch die Bewertungskommission, die die Anträge geprüft hat, habe ausgezeichnete Arbeit geleistet“, so Hauk.

Humane Stammzellen als individualisiertes Modellsystem für Vorhofflimmern anstelle von Tierversuchen

Projektleitung: Dr. Sandra Hoffmann
Institut für Humangenetik/Abteilung Molekulare Humangenetik an der Universitätsklinikum Heidelberg

Ziel des Projektes ist es, die molekularen und pathophysiologischen Mechanismen, die an der Entstehung von Vorhofflimmern am Herzen beteiligt sind, zu untersuchen. Dabei soll die Verwendung von induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPS) von Patienten mit Vorhofflimmern eine tierversuchsfreie Möglichkeit bieten, die Ursachen von Vorhof-Arrhythmien sowie damit verbundene pharmakologisch-therapeutische Mechanismen zu erforschen. Das in vitro Modell soll auch die individualisierte Testung von Medikamenten ermöglichen.

Etablierung eines humanen immunkompetenten 3-schichtigen Hautmodells als Alternative zum Tierversuch bei der Testung der Wundheilung und Sensibilisierung

Projektleitung: Prof. Dr. Petra Kluger
Fakultät Angewandte Chemie an der Hochschule Reutlingen

Das Projekt dient der Reduzierung und Ersetzung tiermodellbasierter Testverfahren durch ein humanes immun-kompetentes 3-schichtiges Hautersatzmodell. Das bestehende, zuvor neu entwickelte, optimierte Vollhautmodell mit Subkutis soll nun zusätzlich mit Immunzellen ergänzt werden. Hierbei werden antigenpräsentierende Langerhans-Zellen in die Epidermis und Makrophagen in die Dermis eingebracht. Neben der Validierung sensibilisierender Substanzen ist auch die Untersuchung der Wundheilung im physiologischen dreischichtigen Hautmodell geplant. Zusätzlich zur klassischen Validierung von Chemikalien gemäß der REACH Verordnung / OECD TG406, TG429 und TG442D könnten diese neuartigen, immunkompetenten, dreischichtigen Hautmodelle weitere Tierversuche in der präklinischen Forschung und auch in der Grundlagenforschung reduzieren und ersetzen.

Alternativmodelle zu aus Patientenmaterial abgeleiteten Maus-Xenograft-modellen zur Vorhersagbarkeit der Therapieantwort von Kindern mit Krebs (Maus-PDX Alternativen)

Projektleitung: Dr. Ina Oehme
Klinische Kooperationseinheit Pädiatrische Onkologie
DKFZ am KiTZ Heidelberg

Das Forschungsprojekt dient letztlich der individualisierten Behandlung von Tumoren bei Kindern. Hierzu werden vorab geeignete Medikamente getestet. Es sollen Testergebnissen und Methoden von 3D-Gewebekulturen, Maus- und Zebrafischmodellen mit tatsächlichen Therapieergebnissen am Patienten verglichen werden.

Land fördert jährlich Projekte

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fördert jährlich Arbeiten zur Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch. Die Forschungsprojekte müssen im Land oder unter Beteiligung von Einrichtungen aus Baden-Württemberg durchgeführt werden.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Förderung der Erforschung von Ersatzmethoden bei Tierversuchen