Gesundheit

Digitalisierung kann medizinische Versorgung in ländlichen Regionen stärken

Ein Hausarzt misst den Blutdruck einer Patientin (Bild: © dpa).

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat sich in der Uniklinik Tübingen über Digitalisierungsprojekte zur Verbesserung der medizinischen Versorgung informiert und mit Medizinern über das Maßnahmenpaket des Landes zur Stärkung der Allgemeinmedizin diskutiert.

Wie kann die allgegenwärtige Digitalisierung auch die ärztliche Versorgung vor allem auf dem Land sichern und weiter stärken? Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat sich am Universitätsklinikum Tübingen über die Zukunft und Strategien für die Allgemeinmedizin informiert.

Spitzenmedizin und Spitzenforschung für die Fläche

„Die heute hier gezeigten Projekte am Universitätsklinikum verdeutlichen, welche vielfältigen Möglichkeiten uns die Digitalisierung zur Verbesserung der medizinischen Versorgung, gerade auf dem Land, bietet“, sagte Theresia Bauer. „So bringen wir Spitzenmedizin und -forschung auch in die Fläche.“

Bereits im Medizinstudium müsse auch eine stärkere Verankerung der Digitalisierung und ihrer Möglichkeiten erfolgen, betonte Theresia Bauer. „Dort müssen wir den Ärztenachwuchs auf die Anforderung des nächsten Jahrzehnts vorbereiten“, sagte Theresia Bauer. Die angestrebten Reformen des Masterplans Medizinstudium 2020 könnten dort echte Impulse setzen. Die Finanzierung dieser Reformen dürften jedoch nicht allein die Länder tragen, forderte Theresia Bauer. „Der Bund musst hier finanziell nachsteuern, wenn die Umsetzung des Masterplans gelingen soll; ohne die Sicherstellung der Finanzierung wird es keine Zustimmung der Länder zum Masterplan 2020 geben.“

Neue Modelle anbieten

Die Ministerin diskutierte mit den Medizinern in Tübingen über das Maßnahmenpaket zur Stärkung der Allgemeinmedizin, das sie am Morgen dem Kabinett vorgestellt hatte. Im Mittelpunkt stand der Imagewandel des Landarztmodells mit Blick auf die sich stark ändernden Lebenswirklichkeiten des medizinischen Nachwuchses auf dem Land.

„Klar ist“, sagte Theresia Bauer, „das Modell des Landarztes, der 55 Stunden pro Woche in seiner abgelegenen Praxis Dienst tut, entspricht nicht mehr der Lebensrealität von heute. Wenn wir junge Menschen für diesen Beruf gewinnen wollen, müssen wir neue Modelle anbieten. Die Mehrheit der Hausärzte auf dem Land wird in Zukunft jung, weiblich und in Teilzeit arbeitend sein. Hier müssen wir attraktive Modelle zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie entwickeln.“ Dazu zählten unter anderem die stärkere Fokussierung auf Gemeinschaftspraxen, die tageweise Einbindung in das klinische Versorgungs- und Forschungsnetz der Uniklinika vor Ort sowie insbesondere die Möglichkeiten der Telemedizin.

Telemedizin und Allgemeinmedizin

Der Begriff Telemedizin ist einzuordnen in das Konzept und die Methoden von eHealth, wozu auch die elektronische Gesundheitskarte, verschiedene Gesundheits- und Diagnostik-Apps sowie das Telelearning/-teaching gehören. Dabei lassen sich zudem vielfältige Anwendungsfelder unterscheiden, wie etwa Online-Videosprechstunden, Telediagnostik, Teleradiologie und Teletherapie.

Grundsätzlich wurde die Bedeutung der Allgemeinmedizin in Baden-Württemberg bereits früh erkannt. Im Rahmen der Sonderlinie Hochschulmedizin wurde die Allgemeinmedizin allein 2019 mit 1,98 Millionen Euro zusätzlich gefördert, 2020 wird diese Förderung mit mehr als zwei Millionen Euro fortgeführt. Auch die geförderten Bereiche Currriculumsentwicklung, Lehrforschung und Skills Labs der Förderlinie Lehre kamen der Allgemeinmedizin zumindest indirekt zugute.

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