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Unter vier Augen
  • 15.02.2018

Kretschmann trifft Harald zur Hausen

Mediziner, Nobelpreisträger, passionierter Wissenschaftler. Professor Harald zur Hausen hat die Grundlagen für einen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs gelegt. Trotz seiner 82 Jahre ist er immer noch am Deutschen Krebsforschungszentrum in der Krebsforschung aktiv. Mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht er aber nicht nur über seine Forschung.

In der dritten Folge von Kretschmann trifft, begegnet Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der Bibliothek der Villa Reitzenstein dem Mediziner und Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen. Harald zur Hausen war von 1983 bis 2003 Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Noch heute ist der 1936 geborene Wissenschaftler in der Forschung am DKFZ aktiv. Im Jahr 2008 erhielt der den Nobelpreis für Medizin. Seine Forschung hat einen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs erst möglich gemacht. Er fand heraus, dass eine Infektion mit humanen Papillomviren, für die Entstehung dieses Krebs‘ verantwortlich ist.

Forscher aus Leidenschaft

Heute konzentriert sich Professor zur Hausen auf den Darmkrebs. „Wir forschen nach, inwieweit bestimmte Vorgänge beim Darmkrebs auf Infektionen zurückzuführen sind“, erklärt er im Gespräch mit Ministerpräsident Kretschmann. Er glaube daran, gewisse Anhaltspunkte dafür gefunden zu haben, dass Entzündungsprozesse die im Darm stattfinden, eine ganz entscheidende Rolle spielten.

Bei so einem hochkarätigen Wissenschaftler interessiert sich Ministerpräsident Kretschmann natürlich auch für die Wünsche der Wissenschaft an die Politik. Während zur Hausen Deutschland in Sachen Grundlagenforschung gut aufgestellt sieht, wünscht er sich, dass die präventive Medizin in Deutschland mehr Beachtung bekommt. Die Ausgaben für die Vorbeugung überschreiten kaum drei Prozent. „Hier müssen wir mehr tun. Ich möchte den Präventionsgedanken mehr in die Öffentlichkeit tragen und auch mehr hineingetragen sehen.“

Impfungen retten Leben

Auf der einen Seite leuchte es jedem in der Medizin ein, den kranken Patienten zu behandeln. „Auf der anderen Seite Krankheiten zu verhindern, von denen die Patienten später gar nicht wissen, dass bei ihnen die Krankheiten verhindert wurden – das ist schon etwas anderes, was nicht so unmittelbar einleuchtend ist“, zeigt zur Hausen das Dilemma auf. Hier stünden aber nicht nur die Politik in der Schuld, sondern auch die Ärzte, die mehr Aufklärungsarbeit leisten müssten.

Zum Thema Vorbeugung gehören auch Impfungen. Professor zur Hausen, bezeichnet es im Gespräch als Skandal, dass Eltern ihre Kinder nicht impfen. 2017 seien zwei Kinder an den Masern gestorben. Andere hätten später Schäden am zentralen Nervensystem davongetragen. Mit der Impfung ließe sich das Leid zu annähernd 100 Prozent vermeiden. „Und die nicht geimpften gefährden natürlich auch ihre Umgebung. Das gilt nicht nur für die Masern, sondern auch für viele andere Impfungen.”

Wunsch nach klarer Sprache in Wissenschaft und Politik

Eine Kontroverse zwischen den Gesprächspartnern entspann sich um die Grüne Gentechnik – also die genetische Modifikation von Nahrungsmittelpflanzen. Während Herr Professor zur Hausen eher die Chancen dieser Technik sieht, steht Ministerpräsident der Gentechnik auf dem Acker sehr kritisch gegenüber. Trotzdem wirbt er dafür, im wissenschaftlichen Diskursen nach der Wahrheit zu suchen.

Bei der Diskussion um grüne Gentechnik, Klimawandel und anderen Themen fordert Ministerpräsident Kretschmann von vielen Wissenschaftlern eine klarere und verständlichere Sprache bei der Kommunikation mit nicht-Wissenschaftlern. „Die Wissenschaft muss auch komplexe Zusammenhänge übersetzen, damit sie auch breitere Bevölkerungskreise verstehen. Nur so kann das Vertrauen in die Wissenschaft gehalten werden“; so Kretschmann.

Aber auch in der politischen Praxis habe man oft ein Politikkauderwelsch mit vielen Fachausdrücken, die normale Menschen, die sich nicht dauernd damit beschäftigen nicht verstünden, gesteht der Ministerpräsident selbstkritisch ein. Menschen die öffentliche oder verantwortliche Ämter in Politik oder Wissenschaft begleiten, müssten gegenüber der Bevölkerung so reden, dass man sie auch versteht. „Wer sich nicht vernünftig verständlich machen kann, der hat oft seine eigenen Dinge nicht richtig verstanden“; spitzt zur Hausen zu.

Kann der Wolf Baden-Württemberger werden?

Zum Ende des Gesprächs kommen beide auf die aktuelle Entwicklung der Wölfe in Deutschland und Baden-Württemberg zu sprechen. Immer öfters gibt es auch im Südwesten Wolfssichtungen. Professor zur Hausen sagt, dass er mit zunehmenden Alter skeptischer würde, was die Wiederansiedelung von Wölfen betrifft. „Ist es wirklich sinnvoll in einem so besiedelten Gebiet, wieder diese Tiere anzusiedeln?“, will er dann auch vom Ministerpräsidenten wissen.

Kretschmann sieht hier erst den Beginn des Diskussionsprozess‘, ist sich aber sicher, dass es ohne Management nicht gehen wird. „Das müssen wir uns überlegen, unter welchen Umständen das Sinn macht oder keinen oder wie wir damit umgehen“, so Kretschmann. Er ruft dazu auf, die Debatte rational im zivilisierten Streit zu führen.

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Quelle: /red


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