E-Mobilität

Hier fahren die Autos von morgen

Zwei Smart Electric Drive laden in Stuttgart an einer öffentlichen Ladesäule.

Die Elektromobilität kommt in Schwung. Besonders im Autoland Baden-Württemberg wird die Mobilität der Zukunft an vielen Orten erprobt – oder ist schon längst in der Praxis angelangt. In unserer Reportage über die E-Mobilität im Land treffen wir unter anderem auf die größte Elektroauto-Flotte Deutschlands und einen begeisterten Bürgermeister im Schwarzwald.

Sie sind immer in der Nähe. Sie machen kaum ein Geräusch. Sie sind klein, wendig und passen in jede Lücke. Sie sind immer da, wenn sie gebraucht werden. Und sie fahren ohne Benzin.

Die Rede ist von den 500 kleinen blau-weißen Smarts mit Elektroantrieb, die seit 2012 auf den Straßen Stuttgarts unterwegs sind. Ein Blick auf das Smartphone genügt, um das nächste freie „Car2go“, so der Name des Projekts, zu orten. Per Chipkarte öffnet man die Tür und fährt sofort los. Geparkt wird, wo ein Platz frei ist – mit den Kleinstwagen ist das selbst in der oft vollgeparkten Stuttgarter Innenstadt selten ein Problem.

Zukunft der Mobilität fährt im Autoland

Gerade für die Bewohner der Stuttgarter Innenstadtteile, die aufgrund der beengten Parksituation und der kurzen Wege ganz auf ein Auto verzichten, sind die Elektroflitzer eine willkommene Ergänzung zu Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr. Aber auch im restlichen Stadtgebiet greifen viele Stuttgarter auf das Angebot zurück. Für viele Nutzer ist es darüber hinaus der erste Kontakt mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen – und damit auch ein Ausblick in die Zukunft der Mobilität. Irgendwie logisch, dass die im Autoland Baden-Württemberg beginnt. Die bisher 500 Smarts bilden deutschlandweit die größte Flotte an Elektroautos.

Etwa 100 Kilometer weit kommen die Autos mit einer komplett aufgeladenen Batterie. Völlig ausreichend also für die oft nur wenige Kilometer langen Fahrten, die mit den Autos in der Stadt zurückgelegt werden. Falls es doch mal eng wird mit dem Strom, steht mit 500 Ladepunkten ein dichtes „Tankstellennetz“ zur Verfügung. Dort können auch private Besitzer eines Elektrofahrzeugs aufladen.

Die Landesregierung ist sich sicher: Elektromobilität kann einen wichtigen Beitrag leisten, um die klima- und wirtschaftspolitischen Ziele Baden-Württembergs zu erreichen. Sie will das Autoland Baden-Württemberg deshalb zur Pionierregion für nachhaltige Mobilität weiterentwickeln. Als führendes Wirtschafts- und Forschungsland hat der Südwesten einmalige Chancen, die nachhaltige Mobilität voranzubringen. Darüber freut sich nicht nur das Klima: wenn in Zukunft weltweit vermehrt auf die Elektromobilität gesetzt wird, profitiert davon auch die exportorientierte baden-württembergische Wirtschaft.

Die Dynamik aufrechterhalten

In Deutschland setzen schon heute immer mehr Menschen und Unternehmen auf nachhaltige Mobilität: Laut einer Studie des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart war die Zahl der Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu Beginn des Jahres 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 78 Prozent gestiegen. „Der deutliche Zuwachs spiegelt die typische Einstiegsdynamik einer noch jungen, aber vielversprechenden Technologie wider“, sagt Benjamin Schott, der die Studie mit verfasst hat. „Wenn es gelingt, diese Dynamik in den kommenden Jahren aufrecht zu erhalten, dann kann auch die Energiewende im Verkehrssektor gelingen.“

Die Studie kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass selbst die angestrebte Zahl von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 problemlos aus erneuerbarer Energie gespeist werden könnte. Nachhaltige Elektromobilität sei damit langfristig gesichert.

Funktioniert: E-Mobilität im ländlichen Raum

Aber nicht nur für die städtische Mobilität eignen sich die Elektrofahrzeuge. Auch im ländlichen Raum gibt es dutzende vielversprechende Modellversuche für ihren Einsatz. Einer davon findet in Oberreichenbach im Schwarzwald statt und hat sich dort bereits fest etabliert. In der Gemeinde im Landkreis Calw fährt seit 2012 ein Bürgerelektroauto. „Wir wollen Elektromobilität für unsere Bürger erfahr- und erlebbar machen“, sagt der Oberreichenbacher Bürgermeister Karlheinz Kistner, „und das ganz bewusst hier bei uns im ländlichen Raum.“

Etwa 20 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer kümmern sich um den Fahrdienst, der von Montag bis Freitag telefonisch bestellt werden kann. Für maximal drei Euro kann man sich in die verstreut liegenden Teile der Gemeinde oder bis ins 10 Kilometer entfernte Calw und andere Nachbargemeinden kutschieren lassen. „Wir verbessern so nicht nur den ÖPNV in Oberreichenbach, sondern zeigen mit dem Projekt auch, wie nachhaltige Mobilität und aktiver Umweltschutz im ländlichen Raum aussieht“, so Kistner. „Unser E-Bürgerauto hilft zum einen sehr vielen Menschen weiter, zum anderen ist es sehr nachhaltig. Und nicht zuletzt sind unsere Fahrerinnen und Fahrer begeistert - denn Elektroauto fahren macht einfach Spaß.“
Mittlerweile macht das Oberreichenbacher Projekt in der Region Nordschwarzwald Schule: Weitere Gemeinden wie Freudenstadt, Baiersbronn oder Horb verfolgen ähnliche Ansätze und nehmen das E-Bürgerauto dafür als Blaupause.

Das Thema Mobilität neu begreifen

An der Umsetzung des „Oberreichenbacher Modells“ in weiteren Schwarzwaldgemeinden ist auch Christian Klaiber aus Trossingen beteiligt. Mit seinem Beratungsunternehmen Initiative Zukunftsmobilität plant und koordiniert er seit 2010 E-Mobilitätsprojekte in Zusammenarbeit mit Landesregierung, Kommunalverwaltungen, Energieversorgern und der Industrie. „Ich nehme wahr, dass derzeit zunehmend Bewegung in den Markt kommt“, sagt Klaiber, „man merkt an vielen Stellen, dass das Thema in die öffentliche Wahrnehmung gelangt.“

Das Thema Elektromobilität dürfe man allerdings nicht nur anhand der Zahl der Autos und Ladepunkte bewerten. Vielmehr sei ein Zusammenwirken aller beteiligten Akteure notwendig: etwa bei dem Ausbau der Lade-Infrastruktur für Elektroautos, aber auch bei weiteren Maßnahmen wie etwa Carsharing, Parkraumbewirtschaftung, der Entwicklungsarbeit, der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft oder auch dem Radwegeausbau. „Es geht darum“, so Klaiber, „das Thema Mobilität insgesamt neu zu begreifen.“

Weiterführende Links

Übersicht: Das macht die Landesregierung in Sachen Elektromobilität

Landesagentur für Elektromobiliät und Brennstoffzellentechnologie: Schaufenster Elektromobilität

Car2go in Stuttgart

ZSW-Studie zur Elektromobilität

Initiative Zukunftsmobilität

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