Corona-Strategie

Erste Zwischenbilanz des „Lockdown Light“

Zwei Wochen nach Beginn des sogenannten „Lockdown Light“ haben Bund und Länder eine erste Bilanz gezogen. Zwar konnte das exponentielle Wachstum gestoppt werden, aber die Zahlen sind weiter zu hoch. Daher haben sich Bund und Länder auf weitere vor allem administrative Maßnahmen verständigt.

Vor zwei Wochen war Baden-Württemberg wie der Rest der Bundesrepublik mit einer dramatisch zugespitzten Lage konfrontiert. Die Infektionszahlen sind exponentiell gestiegen, unsere Gesundheitsämter waren überlastet, und die Zahl der Intensiv-Patienten hat sich im Wochentakt verdoppelt.

Es war das Gebot der Stunde zu handeln, um eine weitere exponentielle Verbreitung des Corona-Virus SARS-CoV-2 und damit eine drohende Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. „In dieser Situation haben sich die Regierungscheffinnen und -chefs von Bund und Ländern einstimmig auf weitreichende Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens verständigt, Um in einer gemeinsamen nationalen Kraftanstrengung eine akute nationale Gesundheitsnotlage abzuwenden“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach den erneuten Beratungen von Bund und Ländern am 16. November. „Die überwältigende Mehrheit Bürgerinnen und Bürger hat darauf mit Verständnis und großer Disziplin reagiert. Mit Hilfe Ihrer Disziplin konnten wir das sprunghafte Wachstum der Infektionszahlen inzwischen abbremsen. Das ist ein wichtiger Zwischenerfolg, und dafür danke ich Ihnen allen von Herzen. Gleichzeitig müssen wir zur Kenntnis nehmen: Die notwendige Trendwende haben wir noch nicht erreicht.“

Fallzahlen weiter zu hoch

Zwar ist das exponentielle Wachstum gestoppt, aber die Fallzahlen sind weiter sehr hoch. Für Baden-Württemberg bedeutet das, dass 40 Prozent der Personen, die sich insgesamt mit SARS-CoV-2 angesteckt haben, in den ersten beiden Novemberwochen registriert wurden. Bis Ende Oktober gab es in Baden-Württemberg insgesamt gut 82.000 Fälle. Heute sind es bereits knapp 120.000. In den vergangen beiden Wochen ist auch die Zahl der COVID-19 Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen um 60 Prozent gestiegen. Im Bund ist die Zahl der Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen sogar um 70 Prozent gestiegen.

„Die Lage bleibt weiterhin sehr ernst. Wir haben die Kontrolle über die Pandemie noch nicht wieder zurück. Die Kraft der zweiten Welle ist noch nicht gebrochen“, warnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem Pressestatement nach der Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin.

Ziel ist eine 7-Tage-Inzidenz von weniger als 50

„Wir werden die Pandemie erst dann wieder im Griff haben, wenn wir das Infektionsgeschehen mindestens unter die Schwelle unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gedrückt haben. Nur dann schaffen wir die Kontaktnachverfolgung und vermeiden Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal, bei den Testkapazitäten, der Medikamentenversorgung und der Verfügbarkeit von Intensivkapazitäten“, beschrieb Ministerpräsident Kretschmann die Ziele der jetzt beschlossenen weiteren Maßnahmen. Statt weiterer allgemeiner Einschränkungen für die Bevölkerung setzen Bund und Länder in der zweiten Phase des „Lockdown Light“ vor allem auf zusätzliche administrative Maßnahmen.

Bund und Länder haben sich darauf verständigt, die Hotspot-Strategie, die über die bundes- und länderweiten Maßnahmen hinausgeht, weiter zu verfolgen. In Stadt und Landkreisen mit einem besonders starken Infektionsgeschehen, sollen regional schnell weitere Maßnahmen erlassen werden können, um schnell auf das Infektionsgeschehen vor Ort Einfluss nehmen zu können.

Bei der Kontaktnachverfolgung wollen Bund und Länder vermehrt auf Cluster setzen. Wenn beispielsweise in Unternehmen, Einrichtungen, Freizeitgruppen, Glaubensgemeinschaften oder nach Familienfeiern Verdachtsfälle auftreten, sollen Quarantäneanordnungen für das betroffene Cluster schnell möglich sein – auch bevor schon ein positiver Test vorliegt.

Bund und Länder sind sich darin einig, dass die Schulen und Betreuungseinrichtungen weiter offen bleiben sollen.

Länder bauen Impfzentren auf

Die guten Nachrichten, dass ab dem 1. Quartal 2021 wahrscheinlich einer oder mehrere hochwirksame Impfstoffe vorliegen ist ein zentraler Baustein bei der Bekämpfung der Pandemie. Bund und Länder sind sich einig, dass es keine Impfpflicht geben und die Impfung ausschließlich auf freiwilliger Basis stattfinden soll. Um auf die massenweise Impfung von zunächst Risikogruppen und Gesundheitspersonal vorbereitet zu sein, richten die Länder Impfzentren und -Strukturen ein.

Ab Anfang Dezember sollen an die Risikogruppen zudem FFP2-Masken gegen eine geringe Eigenbeteiligung verteilt werden. Bund und Länder sind sich darüber hinaus einig, die digitale Infrastruktur in den Gesundheitsbehörden schnell weiter auszubauen und noch mehr auf gemeinsame Standards und Software zu setzen.

Es gilt weiter die dringende Empfehlung an alle, die ein passendes Endgerät haben, die Corona-Warn-App zu installieren und zu benutzen. Vor allem bei einem positiven Testergebnis sollten Sie die App auf alle Fälle nutzen, um mögliche Kontakte anonym zu warnen und so eine weitere Ausbreitung des Virus aktiv zu verhindern. Hier liegen einige Vorschläge, unter anderem aus Baden-Württemberg, vor um die App zu verbessern und die Akzeptanz der App weiter zu steigern.

Eindringlicher Appell an die Bevölkerung

Über die beschlossenen Maßnahmen hinaus geht es auch weiter um Eigenverantwortung. Jede und jeder muss jetzt mithelfen und seine privaten Kontakte in den kommenden Wochen – wenn nicht schon geschehen – noch mal deutlich reduzieren. Auf private Feiern sollte man gänzlich verzichten. Private Zusammenkünfte mit Freunden und Bekannten auf einen weiteren festen Hausstand beschränken. Ab sofort sollte man sich nur mit den Angehörigen des eigenen und maximal zwei Personen eines weiteren Hausstandes treffen. „Treffen Sie sich nicht heute mit den einen und morgn mit den anderen, sondern beschränken Sie sich dabei immer auf die gleichen Personen“, konkretisierte Kretschmann die Aufforderung.

Dazu zählt auch auch Besuche in Bereichen mit Publikumsverkehr und auf nicht notwendige private Reisen und touristische Tagestouren gänzlich zu verzichten.

Bei Besuchen bei älteren und anderen Risikogruppen sollten Sie auf jeden Fall symptomfrei sein. Achten Sie unbedingt auf einen angemessenen Infektionsschutz.

Im Verdachtsfall lieber auf Nummer Sicher gehen

Darüber hinaus gilt weiter unsere Empfehlung, sich bei Verdachtsfällen etwa bei Auftreten von typischen Symptomen in häusliche Isolation zu begeben, halten Sie telefonisch Rücksprache mit Ihrem Hausarzt und meiden Sie Kontakte zu anderen Personen. Angehörige Ihres Haushalts sollten Kontakte zu anderen Personen außerhalb des Haushalts ebenfalls möglichst meiden bis die Infektionslage geklärt ist (Testergebnis). Auch wenn Sie keine konkrete Aufforderung durch das Gesundheitsamt oder die Teststelle bekommen haben.

Informieren Sie bei einem positiven Testergebnis, soweit möglich, unbedingt selbst Personen, mit denen Sie in den vergangenen zwei Wochen engen persönlichen Kontakt hatten. Also Arbeitskolleginnen und -kollegen – direkt oder über den Arbeitgeber, Familienangehörige, Freunde und Bekannte, Vereinskameradinnen und -kameraden, Nachbarn, Schule oder Kita, usw., damit diese Personen selbst entsprechende Maßnahmen ergreifen und die Infektionskette durchbrechen können.

Bei der Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter kann ein sogenanntes Kontakttagebuch helfen. Notieren Sie sich am Abend kurz in Stichworten, wenn Sie an dem Tag in möglichen Cluster-Situationen waren. So können Sie dem Gesundheitsamt bei einem positiven Testergebnis schnell und zuverlässig sagen, wann Sie beispielsweise in einer Besprechung, auf einem Vereinstreffen oder in anderen Situationen waren, bei denen eine Ansteckung möglich gewesen wäre.

Quelle:

/red
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