Kunst

Starkes Kulturland

Theater Applaus (© Andrea Kremper)

Baden-Württemberg verfügt über eine herausragende Kulturlandschaft mit international wie national renommierten Einrichtungen, einem vielfältigen Kulturangebot im ganzen Land sowie einem breiten ehrenamtlichen Engagement. Wir möchten diese Kulturlandschaft zu erhalten und weiter zu entwickeln sowie die künstlerischen Freiräume erweitern und neue experimentelle Vorhaben in allen Sparten fördern.

Die lebendige Kunst- und Kulturszene in Baden-Württemberg fußt auf einem reichen kulturellen Erbe, bietet gute Entfaltungsmöglichkeiten für alle Formen von Kunst und Kultur und trägt entscheidend zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.

Der Südwesten zeichnet sich durch eine überaus differenziert aufgestellte Kulturszene aus, in der Kunst und Kreativität entstehen und gefördert werden. In kaum einem anderen Bundesland gibt es eine vergleichbare Anzahl von Theatern, Orchestern, Museen, freien Ensembles, soziokulturellen Zentren, Literatureinrichtungen, Festivals, Bibliotheken, Archiven, Akademien und Kunsthochschulen – teilweise mit herausragendem Renommee. Nicht nur in den Ballungszentren und städtischen Gegenden, sondern auch in ländlichen Regionen sind kulturelle Zentren und Kulturangebote selbstverständlich.

Dialog | Kulturpolitik für die Zukunft

Der Kulturbereich steht vor neuen Herausforderungen. Eine zunehmend heterogene Gesellschaft, die Beschleunigung in fast allen Lebensbereichen und die Auswirkungen der Digitalisierung – allein diese drei Aspekte machen deutlich, dass Kunst und Kultureinrichtungen vor anderen Herausforderungen stehen als noch vor wenigen Jahren. Kulturpolitik muss diese Veränderung begleiten und unterstützen und hat deshalb einen umfassenden Dialogprozess initiiert, um darüber zu reden, was heute getan werden muss, damit Kunst und Kultur auch in den nächsten Jahrzehnten die gesellschaftliche Relevanz wie heute hat.

Seit dem Auftakt im Juni 2018 haben rund 1.250 Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik in 13 unterschiedlichen Dialogveranstaltungen im ganzen Land fundiert in vier Themenfeldern diskutiert: Digitale Welten, Neue gesellschaftliche Bündnisse, Strategien der Transformation und Kunst und Kultur in ländlichen Räumen. Die Ergebnisse dieses Dialogprozesses werden im Juli 2020 veröffentlicht.

Breite Kulturlandschaft

Damit Kunstschaffende und Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg auch in Zukunft gute Arbeitsbedingungen finden, sorgt das Land für eine transparente Förderung und eine verlässliche Finanzierung – oftmals in bewährter Partnerschaft mit den Kommunen. Dabei ist die Förderung aller Kunstformen und der Gesamtheit des künstlerischen Schaffens eine der zentralen Aufgaben der Landespolitik.

Zu einem vitalen Kunst- und Kulturleben gehören neben Exzellenz und herausragenden Leistungen auch Vielfalt und Breite im gesamten Land. Die Breitenkultur als Basis für eine lebendige und ausdifferenzierte Kulturlandschaft genießt deshalb große Beachtung. Denn das oftmals ehrenamtliche Engagement weckt früh das Interesse an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und schafft Zugänge zu Kunst und Kultur.

Der Dialogprozess „Kulturpolitik für die Zukunft“ mit Kunst- und Kulturakteuren thematisiert die neuen Herausforderungen und Veränderungsprozesse durch den gesellschaftlichen Wandel für Kulturinstitutionen, Verwaltung und Politik. Ein wichtiges Anliegen ist die stärkere Öffnung der Kultureinrichtungen für ein breites, diverses Publikum und die Ansprache neuer Publikumskreise. Dazu gehört der Einsatz digitaler Vermittlungsformate und die Entwicklung digitaler Strategien.

Kulturarbeit in den Regionen

Um das kulturelle Leben in den ländlichen Regionen weiterzuentwickeln, ehrenamtlichen Akteuren eine Perspektive zu bieten und auch junge Menschen zu begeistern, braucht es professionelle Strukturen. Vor diesem Hintergrund hat das Kunstministerium gemeinsam mit dem Programm TRAFO der Kulturstiftung des Bundes und der Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb das Pilotprojekt „Regionalmanagerin/Regionalmanager Kultur“ erarbeitet. Ziel des Pilotprojektes ist, professionelle Kulturmanagerinnen und -manager auf kommunaler Ebene zu etablieren und die Verantwortungsbereitschaft der Kommunen für die regionale Kulturentwicklung zu stärken.

In den Jahren 2020 bis 2023 werden sechs ausgewählte Landkreise bzw. Regionen gefördert. Ausgehend von den jeweiligen Bedarfen und Entwicklungspotentialen sollen sie Maßnahmen zur Beratung, Unterstützung und Vernetzung der regionalen Kulturakteure entwickeln, um darauf aufbauend die Stelle einer Regionalmanagerin bzw. eines Regionalmanagers Kultur einzurichten.

Kunst und Kultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Mit dem Förderprogramm „FreiRäume“ beteiligt sich das Kunstministerium an dem Impulsprogramm der Landesregierung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es zielt darauf ab, neue Orte der Begegnung und des soziokulturellen Engagements zu schaffen. In Zusammenarbeit verschiedener Akteure sollen leerstehende Gebäude in ländlichen Kommunen durch künstlerische und soziokulturelle Prozesse wiederbelebt oder bestehende Kulturorte für neue Nutzungen geöffnet und zu sogenannten „Dritten Orten“ weiterentwickelt werden.

Das Förderprogramm „FreiRäume“ richtet sich insbesondere an Kommunen und kommunale Verbünde, Kultureinrichtungen und Einrichtungen kultureller Bildung sowie Vereine und bürgerschaftliche Initiativen. Mit der Förderlinie „Zukunftsmusik“ werden zudem Netzwerke von Chören, Ensembles und Orchestern der Amateurmusik sowie professionelle Musikerinnen und Musiker angesprochen. Sie sind eingeladen, außergewöhnliche Orte der Musik aufzuspüren, diese einzurichten und dort gemeinsame Konzerte oder musikalische Aufführungen zu zeigen.

Innovation und neue Ausdrucksformen

Kunst und Kultur leben von Kreativität und Ideen. Sie brauchen Entwicklungsmöglichkeiten, frei von jeglicher Einflussnahme. Damit sich neue Ansätze, Sichtweisen und Konzepte entfalten und neue Impulse entstehen können, fördert das Land mit dem Innovationsfonds Kunst neuartige Ausdrucks- und Beteiligungsformen in verschiedenen Sparten mit den Linien „Innovative Kunst- und Kulturprojekte“ sowie „Kunst und Kultur für das ganze Land“. Seit der Einführung des Innovationsfonds in 2012 haben hiervon rund 600 Projekte mit über 15 Millionen Euro in verschiedensten Förderlinien profitiert.

Kulturelle Bildung und Dialog zwischen den Kulturen

Kulturelle Bildung bietet dem Einzelnen die Chance, Kulturangebote zu nutzen und das kulturelle Leben selbst mitzugestalten. Kunst und Kultur für alle Menschen – unabhängig von Alter und Herkunft – zugänglich zu machen, ist deshalb ein wichtiges Anliegen der Landesregierung. Die intensive Zusammenarbeit und Vernetzung von Kultureinrichtungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern schaffen die hierfür notwendigen Voraussetzungen. Mit der Einrichtung eines Kompetenzzentrums kulturelle Bildung und Kulturvermittlung schafft das Land ab 2020 eine zentrale Einrichtung für Beratungsleistungen und Vernetzung im gesamtem außerschulischen Themenspektrum der kulturellen Bildung sowie für Fragen der Diversität und Vermittlung und wird im ganzen Land für alle Kunstsparten gleichermaßen arbeiten. Mit seinen Angeboten unterstützt es die nachhaltige gesellschaftliche Öffnung von Kunst- und Kultureinrichtungen hin zu Diversität und kultureller Teilhabe für alle Altersgruppen.

Die beiden Blasmusikakademien in Plochingen und Staufen erhalten bis zum Jahr 2020 insgesamt 20,8 Millionen Euro für Neubauvorhaben. Dadurch wird die kulturelle und musikalische Bildung insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit Migrationshintergrund im ganzen Land gestärkt.

Kulturelle Vielfalt macht unsere Gesellschaft reicher. Interkulturelle Projekte sind besonders geeignet, um die großen Potenziale zu erschließen, die sich aus dem Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft und Prägung ergeben. Das Land fördert diesen Veränderungsprozess im kulturellen Bereich. Mit ihrer identitätsstiftenden, dialogfördernden und vermittelnden Wirkung können Kunst und Kultur dazu beitragen, dass sich Menschen mit größerer Offenheit begegnen.

Verantwortung für unser kulturelles Erbe

Kulturelle Identität fußt auf historisch Gewachsenem. Die Pflege, Erforschung und Weitergabe unseres reichen kulturellen Erbes an die nachkommenden Generationen ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für die kritische Reflexion und den gesellschaftlichen Austausch. Im Rahmen der Provenienzforschung stellt sich das Land der Verantwortung, in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig angeeignete Kunst an die Erben früherer jüdischer Eigentümer zurückzugeben. Das Land setzt die im Jahr 2012 initiierte Unterstützung der staatlichen Museen bei der Klärung dieser Fragen fort. Zur historischen Verantwortung gehört auch ein angemessener Umgang mit Kulturgütern, die in kolonialem Kontext erworben wurden. Das Land geht auch diese Herausforderung aktiv an.

Zur Verantwortung für das kulturelle Erbe gehören auch zahlreiche Bauvorhaben im Bereich der Kultur, allen voran die anstehende Sanierung der Staatstheater in Stuttgart und Karlsruhe. Mit der Sanierung, der baulichen Instandhaltung und teilweise auch dem Neubau wichtiger Kulturbauten schafft das Land die Voraussetzung dafür, dass seine Kultureinrichtungen auch in Zukunft den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft gewachsen bleiben.

Chancen durch Digitalisierung

Mit der Strategie „Kultur digital erleben“ im Rahmen von digital@bw, der Digitalisierungsstrategie des Landes, wird die Vermittlung von Kulturgut in allen Landeseinrichtungen gefördert. Denn technologische und gesellschaftliche Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung verändern auch die Arbeit von Künstlerinnen, Künstlern und Kultureinrichtungen. Außerdem erweitert die Digitalisierung die künstlerischen Ausdrucksformen, eröffnet neue Perspektiven in Präsentation und Vermittlung und bietet neue Möglichkeiten für die kulturelle Teilhabe: ein breites, auch neues Publikum anzusprechen sowie Kunst und Kultur zugänglich und erfahrbar zu machen – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Bildung. Das Land unterstützt die Kultureinrichtungen, insbesondere Museen, Bibliotheken, Archive und Akademien dabei, die sich hieraus ergebenden Chancen zu nutzen.

Mit den Förderprogrammen „Digitale Wege ins Museum I und II“ sowie zusätzlichen Personalmitteln fördert die Landesregierung die Digitalisierung der Landesmuseen und des ZKM. Im Fokus stehen innovative Konzepte zur digitalen Vermittlung von Kunst und Kultur.

Film- und Medienstandort Baden-Württemberg

Baden-Württemberg verfügt über eine breite und dynamische Film- und Medienszene. Der Standort wird besonders geprägt durch erfolgreiche Animations- und Special Effects-Studios, die sich im Animation Media Cluster Region Stuttgart zusammengeschlossen haben. Wachsende Bedeutung in diesem Kontext hat die Computerspielbranche, die sich am Standort in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Die von der Medien- und Filmgesellschaft des Landes geförderten Dokumentar- und Spielfilme stehen für anspruchsvolle Nachwuchs- und Arthouse-Produktionen. Im Bereich der Filmausbildung, vor allem durch die Filmakademie Baden-Württemberg und ihr Animationsinstitut, gehört das Land zur Weltspitze.

Baden-Württemberg zeichnet sich außerdem durch eine reiche und ambitionierte Kinolandschaft aus – auch außerhalb der Ballungsräume und im ländlichen Raum; unterstützt wird dies durch eine starke Kinoförderung der Medien- und Filmgesellschaft des Landes. Erfolgreiche Filmfestivals und Branchenveranstaltungen lenken die Aufmerksamkeit von Publikum und Fachleuten auf den Film- und Animationsstandort. Das Internationale Trickfilmfestival Stuttgart sowie die FMX zählen dabei international zu den wichtigsten Veranstaltungen zu Animation und digitalen Medien.

Im Doppelhaushalt 2020/2021 wurde der Etat für den Filmstandort deutlich angehoben. Mit einer neuen Filmkonzeption wird Baden-Württemberg die Leitlinien für seine Filmpolitik aktualisieren und fortschreiben.

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (M.), führt seinen baden-württembergischen Amtskollegen Winfried Kretschmann (r.) und Staatssekretär Florian Stegmann (l.) durch die Altstadt von Wittenberg, im Hintergrund der markante Turm der Schlosskirche. (Bild: © picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)
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