Der Südwesten bis 1945 - Restauration und Revolution

Vorgeschichte

Restauration und Revolution

  • Der Deutsche Bund 1815 (Ausschnitt) - Die Punkte bezeichnen Orte mit Verfassungen im Vormärz. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

    Der Deutsche Bund 1815 (Ausschnitt) - Die Punkte bezeichnen Orte mit Verfassungen im Vormärz.

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  • Gemälde zeigt König Wilhelm I. von Württemberg mit Offizieren in einem Raum mit roten Wänden im Halbkreis stehend. Im Hintergrund mit Vorhängen verhangener Ausgang. In der Bildmitte kleiner Hund. (Ausschnitt). (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württe

    König Wilhelm I. von Württemberg mit Offizieren um 1847 (Ausschnitt).

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  • Struve zieht am 21. September 1848 mit Ehefrau und Gefolge in Lörrach ein. (Abbildung aus Illustrierte Zeitung Leipzig, Ausschnitt, Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)

    Struve zieht am 21. September 1848 mit Ehefrau und Gefolge in Lörrach ein und wird begeistert empfangen. (Abbildung aus Illustrierte Zeitung Leipzig, Ausschnitt)

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Restauration und Vormärz

Nach dem Sieg über die Armeen Napoleons ordneten die Sieger auf dem Wiener Kongress 1814/1815 Europa neu. Die Deutschen Staaten sollten sich im Deutschen Bund zusammenschließen. Württemberg und Baden, darauf bedacht nicht gleich wieder an Souveränität zu verlieren, traten erst nach einigem Zögern nachträglich der Bundesakte bei.

Schon zwischen 1806 und 1814 modernisierte der württembergische König Friedrich II. seinen Staat. Er führte eine moderne Ministerialverwaltung nach französischem Vorbild ein, belebte den Handel durch die Abschaffung der Binnenzölle, verstaatlichte die Justiz und trennte sie von der Verwaltung. Mit dem Entwurf einer Landesverfassung scheiterte Friedrich an den konservativen Landesständen. Erst sein Sohn Wilhelm I. konnte die Verhandlungen über die württembergische Verfassung 1819 zu Ende bringen. Die Verfassung machte Württemberg zu einem monarchischen Rechtsstaat.

Auch in Baden wurde während der napoleonischen Zeit das Staatswesen ähnlich wie in Württemberg modernisiert. Anders als in Württemberg wurden die Reformen nicht vom Herrscher, sondern von seinen Beamten getragen und vorangetrieben. Die Beamten waren es auch, die die Landesverfassung auf den Weg brachten. Die 1818 verkündete badische Verfassung galt einigen als liberalste Verfassung ihrer Zeit. Und das nicht von ungefähr. Sie garantierte Grundrechte wie Glaubens-, Meinungs- und Berufsfreiheit, die Freiheit der Person und die Gleichheit vor dem Gesetz. Das Zweikammerparlament hatte lediglich das Budgetrecht. Die staatliche Gewalt blieb ganz unter der Kontrolle des Großherzogs.

Der liberale Geist der süddeutschen Verfassungen wurde mit den Karlsbader Beschlüssen 1819 schnell in seine Schranken gewiesen. Burschenschaften wurden verboten, die Universitäten unter strenge staatliche Aufsicht gestellt und die Pressefreiheit eingeschränkt.

Der neue reaktionäre Großherzog Ludwig, der in Baden 1818 das Zepter übernahm, begrüßte die Beschlüsse und sah sie als gute Möglichkeit, die liberale Verfassung Badens nach seinen reaktionären Vorstellungen umzugestalten.

Der württembergische König Wilhelm I. setzte die Karlsbader Beschlüsse zunächst recht lax um. Die Universität Tübingen blieb ein Hort republikanischer und liberaler Gedanken. 1824 verbot Preußen gar seinen Landeskindern in Tübingen zu studieren. Nach außenpolitischem Druck musste dann auch Wilhelm I. ab 1825 die Karlsbader Beschlüsse in Württemberg durchsetzen. Die konservativen Kräfte hatten die Oberhand gewonnen.

Die 1848er-Revolution im Südwesten

Als die Franzosen im Februar 1848 ihren „Bürgerkönig“ Louis Phillip stürzten, sprang der Funke der Revolution auch auf die deutschen Länder über. Dabei waren die Auswirkungen in dem Frankreich benachbarten Baden gewaltiger als in Württemberg. Die demokratische und liberale Opposition wurde schnell zur Massenbewegung. Ihre zentralen Forderungen waren die nationale Einheit Deutschlands, Wahlen zu einem gesamtdeutschen Parlament und die Abschaffung der Zensur.

In Württemberg zwang die Opposition im März 1848 König Wilhelm I., den liberalen Oppositionsführer Friedrich Römer zum Regierungschef zu machen und weitere liberale Politiker in die Regierung zu berufen. Durch die sogenannte Märzregierung lief die Revolution in Württemberg in relativ geordneten Bahnen. Ganz anders in Baden, das zu einem der Zentren der deutschen Revolution von 1848/1849 wurde.

Ende Februar 1848 formulierte die Mannheimer Volkversammlung eine Petition an die Regierung in Karlsruhe. Sie forderten Pressefreiheit, Bürgerwehren, Geschworenengerichte und ein deutsches Parlament. Schon früh spalteten sich die Revolutionäre in Baden in zwei Lager auf. Das liberal-konstitutionelle und das radikaldemokratische Lager. In Baden gelang es den liberalen Kräften nicht wie in Württemberg die Meinungsführerschaft zu erringen. Sie wollten einen Wandel innerhalb des bestehenden politischen Systems erreichen. Im Gegensatz dazu wollten die entschiedenen badischen Revolutionäre einen radikalen Umbruch und Neuanfang. Der Großherzog sollte vertrieben und eine republikanische Ordnung hergestellt werden.

Der Revolutionär Friedrich Hecker startet von Konstanz mit gut 50 bewaffneten Männern einen Marsch auf Karlsruhe um dort die Republik durchzusetzen. Dem Zug schlossen sich immer mehr Menschen an. Badische und hessische Truppen des deutschen Bundes versuchten den Zug aufzuhalten. Der Versuch den Konflikt unblutig zu beenden scheiterte. Es kam zur Konfrontation, die die Revolutionäre verloren. Die Freischärler um Hecker zerstreuten sich und flüchteten. 

Eine Verfassung für das ganze Reich

Im April 1848 hatte sich die gewählte Nationalversammlung konstituiert und ihre Arbeit in der Paulskirche in der Reichsstadt Frankfurt aufgenommen. Noch im gleichen Jahr begannen die Arbeiten an einer Reichsverfassung, die in allen deutschen Staaten gelten sollte. Ende März 1849 legte das Paulskirchenparlament die neue Verfassung vor. Deutschland sollte ein erbliches Kaisertum bekommen.

König Wilhelm I. von Württemberg weigerte sich zunächst die Verfassung anzunehmen. Nachdem es ihm aber nicht gelang, das eigene Militär gegen die liberale Regierung zu mobilisieren, unterwarf er sich als einziger deutscher König dem Verfassungswerk. Die Zustimmung Badens zur Reichsverfassung und den Beschlüssen der Nationalversammlung verhinderten nicht das Scheitern der Verfassung. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen lehnte die Verfassung und die ihm angetragene Kaiserkrone ab. Auch Österreich lehnte die Verfassung ab und rief zusammen mit Preußen seine Abgeordneten ab. Das restliche sogenannte Rumpfparlament verlegte seinen Sitz auf Bestreben des linken Flügels nach Stuttgart. Die demokratischen Kräfte riefen zum Kampf für die Verfassung auf. Die gescheiterten konstitutionellen Kräfte verloren auf Kosten der radikal-republikanischen Kräfte an Rückhalt in der Bevölkerung.

Badischer Widerstand und Niederschlagung

Im Mai 1849 riefen die republikanischen Kräfte zu einer Volksversammlung ins badische Offenburg. Unter den vierzigtausend Menschen, die dem Ruf folgten, waren auch viele Soldaten. Die Regierung wurde zum Rücktritt aufgerufen und die baldige Einberufung einer konstituierenden Landesversammlung gefordert. Binnen weniger Tage schlug sich nahezu das gesamte badische Militär auf die Seite der Revolution. In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1849 floh der Großherzog Leopold aus Baden.

Leopold suchte beim preußischen König Hilfe. Dieser stellte seine Hilfe jedoch unter die Bedingungen, dass Baden dem „Dreikönigsbündnis“ beitritt. Leopolds Einwilligung setzte im Juni 1849 53.000 Soldaten in Bewegung. Die am 1. Juni ausgerufene Badische Republik wird binnen eines Monats niedergeschlagen. 

Die Revolution war gescheitert. Preußen wird immer einflussreicher in den deutschen Ländern und treibt die Einigung des Reiches nach seinen Vorstellungen voran. Lesen Sie weiter...

 

 


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