Bevölkerung

Dynamisch

Bevölkerung

  • Menschen auf der Freitreppe am Stuttgarter Schlossplatz

Lange Zeit wuchs die Bevölkerung in Baden-Württemberg. Heute resultiert der Zuwachs fast ausschließlich auf Zuwanderung von außen. Trotz der Zuwanderung steigt das Durchschnittsalter im Land. 

In Baden-Württemberg leben rund 10,88 Millionen Menschen (Stand: 31.12.2015). Damit hat sich die Einwohnerzahl seit 1952, dem Gründungsjahr des Südweststaates, um knapp 4,2 Millionen oder 62 Prozent erhöht und einen neuen Höchststand erreicht. Um 1900 lebten nur 4,1 Millionen Menschen im Südwesten. 2008 ging seit 1984 zum ersten Mal die Bevölkerungszahl leicht zurück. 2009 sank die Zahl der Baden-Württemberger um gut 4.500. Seitdem wächst die Bevölkerung wieder leicht.

Baden-Württemberg hat mehr Einwohner als viele andere europäische Länder. So leben etwa in Österreich rund 8,7 Millionen und in Finnland sogar nur gut 5,5 Millionen Einwohner.

Zuwanderung

In der Vergangenheit stellten die Wanderungsbewegungen den „Hauptantrieb“ für das Bevölkerungswachstum im Land dar. Seit 1952 erlebte das Land zusammengenommen rund 15,7 Millionen Zuzüge über die Landesgrenzen. Dies war zurückzuführen auf Flüchtlings- und Vertriebenenströme nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Gastarbeiterzuwanderung sowie Arbeitskräftezuwanderung aus anderen Teilen Deutschlands, Bürgerkriegsflüchtlinge und die einigungsbedingte Zuwanderung aus Ostdeutschland. Im gleichen Zeitraum wanderten aber auch knapp 12,7 Millionen Menschen aus Baden-Württemberg ab. Per saldo ergab sich also ein Wanderungsgewinn von insgesamt fast 3,1 Millionen Menschen seit Bestehen des Landes. Damit resultierten etwas mehr als 75 Prozent des bisherigen Bevölkerungswachstums aus den Zuwanderungen, die übrigen knapp 25 Prozent aus Geburtenüberschüssen. Da die zuwandernden Personen im Durchschnitt etwa 10 Jahre jünger sind als diejenigen, die bereits im Lande leben, bewirken die Zuwanderungen einen gewissen, wenn auch begrenzten „Verjüngungseffekt“. Dennoch haben die Zuwanderungen nicht verhindern können, dass in den vergangenen fünf Jahrzehnten die baden-württembergische Bevölkerung deutlich „gealtert“ ist.

Bevölkerungsbilanz

Die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen eines Jahres wird als natürliche Bevölkerungsbilanz bezeichnet. Seit dem Jahr 2006 fällt diese – vor allem aufgrund sinkender Geburtenzahlen – auch in Baden-Württemberg erstmals seit 1978 negativ aus. Betrug das Defizit 2006 noch 707, waren es 2012 schon 11.107 weniger Geburten als Sterbefälle. Im Jahr 2013 ist das Geburtendefizit leicht auf 10.442 zurückgegangen. Ohne Zuwanderung würde bei diesem Trend die Bevölkerungszahl wieder schrumpfen. Durch Zuwanderung im Jahr 2012 kamen insgesamt 315.181 Menschen ins Land. Gleichzeitig verließen aber auch 249.375 Menschen Baden-Württemberg. So kamen per Saldo 65.806 Neu-Baden-Württemberger hinzu. Aus den übrigen deutschen Ländern kamen 1.880 Neubürgerinnen und Neubürger. Der Löwenanteil des Zuwachses kam mit 50.853 Menschen jedoch aus den Ländern der Europäischen Union.

Der Anteil der weiblichen Bevölkerung betrug 2015 50,6 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Es gab rund 125.000 Frauen mehr als Männer.

Altersstruktur

Seit 1970 ist die Zahl der über 65-jährigen im Land stark angestiegen. Seit 1960 hat sich der Anteil dieser Altersgruppe nahezu verdoppelt. Die größte Gruppe waren 2011 die 40- bis 65-jährigen. Ihr Anteil lag bei 37 Prozent. Ein knappes Drittel der Bevölkerung war zwischen 15 und 40 Jahren alt. Unter 15 Jahren waren nur noch 14 Prozent. 1980 lag dieser Wert noch bei 19 Prozent. Aufgrund der niedrigen Geburtenrate wird die Gesellschaft immer älter werden.

Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund

Der wirtschaftliche Aufschwung, Änderungen in der Altersstruktur und längere Ausbildungszeiten verursachten in den 1960er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland einen Arbeitskräftemangel. Mit der verstärkten Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer wurde versucht, dem entgegenzuwirken. Wegen der Wirtschaftsstruktur und der guten Erwerbsmöglichkeiten kamen besonders viele nach Baden-Württemberg. Derzeit leben rund 1,4 Millionen Menschen mit ausländischem Pass im Land. Das sind rund 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Baden-Württemberg hat damit den größten Migrantenanteil unter den deutschen Flächenländern.

Gut 40 Prozent der hier lebenden Ausländer kommen aus einem der 27 EU-Staaten, vor allem aus Italien und Griechenland. Die größte Gruppe von Migranten außerhalb der EU stammt aus der Türkei. Regional gesehen haben sich die Migrantinnen und Migranten sehr unterschiedlich über das Land verteilt. Während die eher ländlich geprägten Landkreise einen deutlich unterdurchschnittlichen Anteil zeigen, üben die industriellen Ballungsräume des Landes traditionell eine hohe Anziehungskraft auf die Migrantinnen und Migranten aus. In Stuttgart, Mannheim und Heilbronn hat inzwischen bereits jeder vierte bis fünfte Mitbürger eine ausländische Nationalität.

Die Zahl der Einbürgerungen steigt stetig an. Im Jahr 2012 haben 16.390 ausländische Staatsangehörige in Baden-Württemberg einen deutschen Pass erhalten. Seit dem Inkrafttreten der neuen Regelungen des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 haben sich rund 226.000 Migrantinnen und Migranten im Land einbürgern lassen, darunter vor allem Menschen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Vor allem junge Einwanderer unter 35 Jahren entscheiden sich für die deutsche Staatsbürgerschaft.


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