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Forschung
  • 06.09.2013

Programm für Bioökonomie-Forschung beschlossen

„Wir wollen ein innovatives Wirtschaftssystem etablieren, das eine nachhaltige Landwirtschaft und die industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe ermöglicht, und gleichzeitig Umwelt und Biodiversität schützt. Forschung zur Bioökonomie kann wesentlich zur Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung beitragen“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Die Bioökonomie strebt eine „Nach-dem-Öl-Ökonomie“ an, in der die zukünftige Gesellschaft nicht mehr abhängig ist von fossilen Ressourcen, um den Energie- und Rohstoffbedarf zu decken, sondern auf erneuerbare Ressourcen zurückgreift. Langfristiges Ziel ist eine mehr auf Biomasse basierende, energie- und rohstoffeffiziente Wirtschaft.

Zur Positionierung der baden-württembergischem Forschung im Bereich der Bioökonomie hat der Ministerrat noch vor der Sommerpause ein „Forschungsprogramm Bioökonomie Baden-Württemberg“ beschlossen. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wird dafür von 2014 bis 2019 rund 12 Millionen Euro aus Mitteln der Offensive Biotechnologie, die dem Land von der Baden-Württemberg Stiftung zur Verfügung gestellt wurden, einsetzen.  

Das Forschungsprogramm solle die strategische Position der Forschungseinrichtungen Baden-Württembergs im Bereich Bioökonomie verbessern, die Wirtschaft auf die Möglichkeiten neuer biobasierter Produkte und Verfahren aufmerksam machen und dadurch den Transfer von Ergebnissen der Forschung in die Wirtschaft beschleunigen, so Ministerin Bauer.

Vernetzung von biobasierter Wirtschaft und starker Forschungslandschaft

Das Programm basiert auf Empfehlungen, die ein vom Wissenschaftsministerium einberufener Strategiekreis Bioökonomie erarbeitet hat. Ziel war es, ein Konzept zu entwickeln, von dem der Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg als Ganzes profitiert. Eine engere disziplin- und auch standortübergreifende Vernetzung der breiten Expertise, die in Baden-Württemberg vorhanden ist, sei gerade bei einem so komplexen Thema wie der Bioökonomie notwendig, so Ministerin Bauer.

Mit dem „Forschungsprogramm Bioökonomie Baden-Württemberg“ sollen die Empfehlungen des Strategiekreises durch die Finanzierung von Forschungsprojekten und begleitenden strukturellen Maßnahmen für eine Laufzeit von maximal fünf Jahre unterstützt und umgesetzt werden.

Die Empfehlungen im Überblick

 

  • Etablierung eines Kompetenznetzes „Modellierung der Bioökonomie Baden-Württemberg“, das die vorhandene Expertise in Baden-Württemberg auf dem Gebiet der Modellierung und Simulation zusammenführt mit dem Ziel, u.a. Simulations- und Bewertungswerkzeuge bereitzustellen, die im Rahmen der Bioökonomie helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und frühzeitig Fehlentwicklungen zu vermeiden;
  • Aufbau einer disziplin- und standortübergreifenden strukturierten Doktorandenausbildung: Graduiertenprogramm „Bioökonomie in Baden-Württemberg - Erforschung innovativer Wertschöpfungsketten“;
  • Entwicklung eines Konzepts zur gemeinsamen Nutzung bereits vorhandener und neu zu etablierender Infrastruktur;
  • Förderung von Forschungsprojekten („Leuchtturmprojekte“), die möglichst viele baden-württembergische Kompetenzen vereinen, die Möglichkeiten einer Bioökonomie aufzeigen und verschiedene Sichtweisen und Disziplinen integrieren. Der Strategiekreis hat drei Themen identifiziert, die sowohl zukunftsträchtig als auch von der in Baden-Württemberg vorhandenen Expertise entlang der gesamten Wertschöpfungskette darstellbar sind und so exemplarisch die Betrachtung ganzer Systeme erlauben:

    a) Nachhaltige Wertschöpfungsketten für Biogas: Ausgangspunkt ist die Frage, wie die auch aufgrund hoher Biomassepreise heute vergleichsweise teure Energie aus Biogas effizienter generiert und genutzt werden kann, so dass sich Biogasanlagen auch ohne die bisher noch überdurchschnittliche Förderung wirtschaftlich tragen. Der Strategiekreis sieht bei diesem Thema vor allem Potenziale für die zeitnahe Umsetzung von Innovationen.

    b) Ganzheitliche Nutzung von lignocellulosehaltiger Biomasse (Holz, Stroh u. ä.): In diesem Forschungsfeld existiert aktuell in Baden-Württemberg eine Vielzahl hervorragender Einzelkompetenzen und damit ein breitgefächertes Know-how.

    c) Integrierte Nutzung von Mikroalgen: Hier geht es um die Erzeugung von verschiedenen hochwertigen Produkten aus Mikroalgen im Hoch- und Mittelpreis-Segment für den Lebensmittel- und Futtermittelsektor. Das Forschungsfeld Algen wurde vom Expertenkreis als das Themenfeld mit langfristiger Perspektive bei gleichzeitig höchstem Innovationspotenzial ausgewählt.

Bewerbungsschluss für Projektanträge ist der 1. November 2013.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer betonte die Notwendigkeit eines umfassenden Ansatzes, um die Bioökonomie voranzubringen: „Große Potenziale für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Baden-Württembergs liegen in einer engeren Vernetzung der verschiedenen Sektoren einer biobasierten Wirtschaft mit der starken und vielfältigen Forschungslandschaft, die wir haben“. Da die Bioökonomie weite Lebensbereiche der Gesellschaft betreffe, sollten Forschung und Entwicklung neben der Wirtschaft aber möglichst frühzeitig auch breite gesellschaftliche Gruppen einbeziehen, da ohne Akzeptanz in der Bevölkerung neue Entwicklungen auf diesem Gebiet langfristig keine Chance hätten.

Forschungsprogramm Bioökonomie Baden-Württemberg


Ministerium

Das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart.

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

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