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Atomenergie
  • 09.02.2016

Defekte Membranen an Armaturen des Systems zur Behandlung und Lagerung radioaktiver Abwässer im Kernkraftwerk Philippsburg

  • Hinter einem Hinweisschild „Kernkraftwerk“ erheben sich am Mittwoch die Kühltürme des Kernkraftwerks Philippsburg (Bild: dpa).

Der Betreiber des Kernkraftwerks Philippsburg, Block 2, hat bei der Überprüfung eines Behälters, in dem behandelte Abwässer aus dem Kontrollbereich gesammelt und vor der Abgabe ausgemessen werden, festgestellt, dass die Dichtungen in zwei Absperrarmaturen der Zuflussleitungen beschädigt waren.

Einstufung durch den Kraftwerksbetreiber: Meldekategorie N (Normalmeldung); INES 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung).

Maßnahmen des Kraftwerksbetreibers: Der Betreiber hat begonnen, alle typgleichen Absperrarmaturen zu kontrollieren. Bis zum Abschluss der Prüfungen werden keine Abgaben aus den angeschlossenen Behältern durchgeführt.

Im Kontrollbereich anfallendes Abwasser muss, bevor es in den Rhein abgegeben wird, behandelt werden, um sicherzustellen, dass keine unzulässige chemische und radioaktive Belastung erfolgt. Das behandelte Abwasser wird vor der Abgabe in Behältern gesammelt. Wenn der vorgesehene Füllstand eines Behälters erreicht ist, wird der Zulauf zum Behälter abgesperrt und eine Probe des Wassers untersucht. Danach wird das Wasser über eine Leitung, in der sich eine Radioaktivitäts-Messstelle befindet, abgegeben.

Dadurch, dass die beiden Absperrarmaturen nicht vollständig dicht waren, konnte zwischen Beprobung und Abgabe zusätzliches (behandeltes) Wasser in einen Behälter gelangen. Da es sich lediglich um eine Tropfleckage gehandelt hat, ist die Menge des nicht erfassten Wassers im Vergleich zum gesamten Inhalt des Behälters (ca. 60 Kubikmeter) sehr gering. Wäre eine deutliche Erhöhung der Aktivität aufgetreten, wäre sie durch die Messstelle in der Abgabeleitung erkannt worden und die Abgabe des Abwassers wäre abgebrochen worden. Die sicherheitstechnische Bedeutung des Ereignisses war daher gering. Es ergaben sich keine Auswirkungen auf Personen und die Umwelt.

Meldepflichtige Ereignisse

Die für die kerntechnische Sicherheit bedeutsamen Ereignisse sind den atomrechtlichen Aufsichtsbehörden der Länder nach den bundeseinheitlichen Kriterien der Atomrechtlichen Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung – AtSMV zu melden. Ziel des Meldeverfahrens ist, den Sicherheitsstand der Kernkraftwerke zu überwachen, dem Auftreten ähnlicher Fehler in anderen Kernkraftwerken vorzubeugen und die gewonnenen Erkenntnisse in sicherheitstechnische Verbesserungen einfließen zu lassen.

Die meldepflichtigen Ereignisse sind unterschiedlichen Kategorien zugeordnet (Erläuterungen zu den Meldekriterien für meldepflichtige Ereignisse):

Kategorie S (Unverzügliche Meldung)
Ereignisse, die der Aufsichtsbehörde unverzüglich gemeldet werden müssen, damit sie gegebenenfalls in kürzester Frist Prüfungen einleiten oder Maßnahmen veranlassen kann. Hierunter fallen auch die Vorkommnisse, die akute sicherheitstechnische Mängel aufzeigen.

Kategorie E (Meldung innerhalb von 24 Stunden)
Ereignisse, die der Aufsichtsbehörde binnen 24 Stunden gemeldet werden müssen, damit sie gegebenenfalls in kurzer Frist Prüfungen einleiten oder Maßnahmen veranlassen kann. Hierunter fallen auch die Ereignisse, deren Ursache aus Sicherheitsgründen in kurzer Frist geklärt und gegebenenfalls in angemessener Zeit behoben werden muss. In der Regel handelt es sich dabei um sicherheitstechnisch potentiell - aber nicht unmittelbar - signifikante Ereignisse.

Kategorie N (Meldung bis zum fünften Werktag)
Ereignisse, die der Aufsichtsbehörde innerhalb von 5 Werktagen gemeldet werden müssen, um eventuelle sicherheitstechnische Schwachstellen frühzeitig erkennen zu können. Dies sind in der Regel Ereignisse von geringer sicherheitstechnischer Bedeutung, die über routinemäßige betriebstechnische Einzelereignisse bei vorschriftsmäßigem Anlagenzustand und -betrieb hinausgehen. Unverfügbarkeiten von Komponenten/Systemen, die durch im Betriebshandbuch spezifizierte Prozeduren temporär beabsichtigt herbeigeführt werden, sind nicht meldepflichtig, wenn dies auch in der Sicherheitsspezifikation des Betriebshandbuches entsprechend berücksichtigt ist.

Internationale Bewertungsskala INES: Aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Betreibern der Kernkraftwerke und dem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit werden meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken auch nach der Bewertungsskala INES (International Nuclear and Radiological Event Scale) der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der Nuklearenergie-Agentur (NEA) der OECD bewertet. Sie hat eine rasche und für die Öffentlichkeit verständliche Bewertung eines Ereignisses zum Ziel.

Die Skala umfasst sieben Stufen:

  • 1 - Störung
  • 2 - Störfall
  • 3 - ernster Störfall
  • 4 - Unfall mit örtlich begrenzten Auswirkungen
  • 5 - Unfall mit weitergehenden Auswirkungen
  • 6 - schwerer Unfall
  • 7 - katastrophaler Unfall

Meldepflichtige Ereignisse, die nach dem INES-Handbuch nicht in die Skala (1-7) einzuordnen sind, werden unabhängig von der sicherheitstechnischen Bedeutung nach nationaler Beurteilung der „Stufe 0” zugeordnet.


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Das baden-württembergische Ministerium Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Stuttgart.

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