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Gründerkultur
  • 27.03.2017

Start-up-Nation Israel

Ein Mix aus gut ausgebildeten jungen Menschen, einer dynamischen Gründer-Szene und staatlichen Angeboten für Gründerinnen und Gründer macht Israel zur Start-up-Nation schlechthin.

Mehr als 5.000 Start-ups gibt es laut einer aktuellen Studie von Roland Berger und dem Israel Export Institute derzeit in Israel. Alleine 2015 wurden 1.400 neue Start-ups gegründet. Kein Wunder, dass Israel auch die „Start-up-Nation“ genannt wird. Saul Singer, Autor des Buches „Start-up Nation“ sagt im Interview mit futurezone.de: „Israel ist ein Selbst ein Start-up. Am Anfang stand eine verrückte Idee, genau wie bei jungen Unternehmen. Genau wie ein Unternehmen benötigt das Land Motivation, Entschlossenheit und Risikobereitschaft, um Erfolg zu haben. Das hat die Mentalität der Menschen geprägt.“

Die Mehrzahl der israelischen Start-ups befasst sich mit disruptiven technologischen Innovationen. Auch die Automobilbranche ist ein großes Thema der israelischen Start-up-Szene. Zurzeit entwickeln etwa 500 Start-ups digitale Produkte für die Autoindustrie. In den vergangenen vier Jahren wurden alleine in Projekte zum Thema Smarte Mobilität rund 1,6 Milliarden Dollar investiert. Erst im März 2017 kaufte der amerikanische Technologiekonzern Intel das israelische Start-up Mobileye für über 15 Millionen Dollar. Mobileye entwickelt fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme.

Gute Bedingungen für Gründungen in Israel

Israel bietet sehr gute Bedingungen für Gründungen und Finanzierungsalternativen. Gründerinnen und Gründern stehen zahlreiche Inkubatoren zur Verfügung und die Regierung unterstützt sie mit Forschungszentren und öffentlichen Finanzierungsprogrammen. Dazu sind zahlreiche Business Angels, Venture-Capital-Firmen und private Investoren im Land aktiv. Kein anderes Land dieser Größenordnung beherbergt außerdem Unternehmenssitze der großen global tätigen IT-Konzerne wie Google, Apple, IBM, Microsoft, Intel, HP oder Cisco. So ist es nicht verwunderlich, dass Hightech und Internet-Firmen seit einigen Jahren Einnahmequelle Nummer Eins des Landes im Nahen Osten sind. Noch vor Diamanten, Tourismus und Landwirtschaft.

Den Grundstein für die Unternehmensgründungen legt Israel mit einer guten Hochschulausbildung und exzellenten Forschung. Die jungen Menschen im Land sind gut ausgebildet und Unternehmen finden problemlos hochqualifizierte Arbeitskräfte. Saul Singer meint sogar, dass schon die israelische Kindererziehung das Gründertum fördert: „Kindern wird hier viel Unabhängigkeit zugestanden, das macht sie auch risikobereiter.“

Netzwerke erleichtern den Zugang zu Talenten und Investoren

Eine Besonderheit in Israel ist der verpflichtende Militärdienst für alle jungen Menschen. Frauen müssen mindestens zwei Jahre zum Militär, Männer etwa drei Jahre. Diese Zeit eint die Unternehmensgründer. Die militärische Ausbildung ist stark technisch ausgerichtet. Doch zusätzlich stehen vor allem Improvisationsfähigkeit, kreatives Denken, lösungsorientiertes Arbeiten, die Übernahme von Verantwortung und Teamgeist im Blickpunkt. Hieraus entstehen schon während dieser Zeit gut funktionierende Business-Netzwerke mit einer offenen Kommunikationskultur. Sie helfen später beim Aufbau eines eigenen Unternehmens, bei der Suche nach den besten Talenten und erleichtern den Zugang zu Kapital und Investoren. Autor Singer meint dazu: „Die wichtigen Erfahrungen gibt es nicht in der Grundausbildung, sondern ab dem Schritt zum Nachwuchsoffizier. Ich möchte die Rolle des Heeres aber nicht als Modell für andere Länder bewerben und wünschte, wir wären nicht gezwungen, unsere jungen Menschen einzuziehen.“

Israel als Vorbild für andere Länder

Einen weiteren Grund für den Erfolg Israel als Start-up-Land sieht Singer in der Einwanderung: „Bei der Staatsgründung kamen Menschen aus verschiedensten Ländern mit verschiedensten Kultur- und Bildungshintergründen. Immigration schafft immer mehr Jobs, als sie in Anspruch nimmt.“ Anderen Ländern rät er, nach Israel zu blicken und nach Israel zu kommen, um sich das Start-up-Ökosystem dort anzuschauen. 

Baden-Württemberg plant aktuell einen „Baden-Württemberg Israel Partnership Accelerator“. Ziel ist es, einen gegenseitigen Knowhow-Transfer zwischen etablierten Unternehmen und Start-Ups zu organisieren. Die Industrie liefert dabei „Challenges“. Teams aus Start-ups aus Tel Aviv und Baden-Württemberg arbeiten zusammen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Lösungen. Durch die Zusammenarbeit mit den Start-ups tragen die Mitarbeiter der Industrie wichtige Impulse über Innovationsprozesse und Start-up-Kultur in ihre Unternehmen. Die Start-ups wiederum profitieren von deren Fach- und Sachkenntnis und der Vernetzung in die Wirtschaft. Am Ende entscheidet das Start-up, ob es das Projekt fortführt und die Industrie, ob sie in das Start-up einsteigt.

Pressemitteilung: Kretschmann besucht Israel und die Pälestinensischen Gebiete

Interview mit Saul Singer auf futurezone.de

Dossierseite: Delegationsreise nach Israel und in die Palästinensischen Gebiete


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