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Justiz
  • 01.01.2006

Minister Goll: Nachsorgenetzwerk für Straftäter kommt gut voran

Stuttgart - Das im Juli aus der Taufe gehobene Nachsorgenetzwerk für jugendliche Straftäter kommt nach Einschätzung von Justizminister Ulrich Goll gut voran. «Bislang haben wir 41 Fälle im Projekt aufgenommen. Die ehemaligen Gefangenen kommen aus 13 Gefängnissen des Landes. Sie werden von 15 Vereinen betreut», sagte der baden-württembergische FDP-Politiker in einem dpa-Gespräch in Stuttgart. «Das Projekt läuft engagiert an und gewinnt immer mehr an Fahrt.» Schon in der ersten Jahreshälfte 2006 werde das Ziel mit bis zu 100 Fällen erreicht sein. «Das ist dann auch die Klientenzahl, die wir pro Jahr maximal betreuen können», sagte Goll.

Das Projekt sei für die ersten drei Jahre finanziell gesichert. Für diese Zeit hat die Landesstiftung Baden-Württemberg 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Eine begleitende Bewertung werde zeigen, ob und wie gut das Nachsorgeprojekt in der Praxis ist. «Bei günstigen Ergebnissen, die wir erwarten, soll es weitergeführt werden. Eine finanzielle Absicherung über die erwähnten drei Jahre hinaus besteht aber noch nicht», sagte Goll weiter. Träger ist die Projekt Chance e.V., deren Vorsitzender der Justizminister ist.

Auch einer der Dienstleister des Projekts, der Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg, bewertete das Projekt positiv. «Das Besondere daran ist, dass ein Vereinsmitarbeiter in die Justizvollzugsanstalt geht, die Entlassung vorbereitet und der Entlassene damit eine vertraute Ansprechperson hat», sagte Verbandsgeschäftsführerin Hilde Höll. Sie schilderte als Beispiel den Fall eines 22 Jahre alten Mannes aus der Justizvollzugsanstalt Ulm, der wegen Körperverletzung inhaftiert wurde: «Er wird im März 2006 entlassen und zieht dann zu seinen Eltern. Der Mann wird in ein Anti- Gewalt-Training und eventuell eine Suchtberatung vermittelt.» Außerdem erhalte er Hilfe bei der Arbeitssuche und eine Schuldnerberatung.

Die Gesellschaft soll nach den Worten von Goll auch durch das Netzwerk noch besser vor rückfallgefährdeten Straftätern geschützt werden. «Durch das Nachsorgeprojekt versprechen wir uns zu allererst eine präventive Wirkung», sagte Goll. Dieser Schutz sei am besten durch Integration zu erreichen, «also wenn wir zur Entlassung anstehenden Tätern die Chance zu einem Leben in sozialer Verantwortung ohne Straftaten geben». Es gelte vor allem, das berühmte «Entlassungsloch» zu überwinden. Wer erst in ein solches Loch falle, für den sei die Gefahr groß, erneut straffällig zu werden. Deshalb unterstütze das Nachsorgeprojekt die jungen Haftentlassenen durch praktische Lebenshilfe bei der Alltagsbewältigung. «Geld bekommen die Entlassenen hingegen nicht», betonte Goll.

Für viele frühere Häftlinge seien die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens wie Wohnungssuche oder Behördengänge schon eine echte Herausforderung. Obwohl sie guten Willens seien, falle es ihnen schwer, plötzlich mit der ungewohnten Eigenverantwortung umzugehen. «Oft flüchten sie vor dieser Verantwortung in die ihnen besser vertrauten, aber keineswegs bekömmlichen kriminellen Kreise», sagte Goll.

Zielgruppe des Nachsorgeprojekts seien junge Strafentlassene bis 27 Jahren mit Endstrafe und vorzeitig Entlassene ohne Bewährungshelfer, bei denen eine drei- bis sechsmonatige Betreuung im Übergang vom Vollzug zur Freiheit Erfolg versprechend ist. Entlassene aus Ersatzfreiheitsstrafe kämen nur in Betracht, wenn wiederholte Verbüßungen dieser Strafen drohten. Eine weitere Festlegung nach Strafdauer, Delikt oder sonstigen Merkmalen erscheint nach den Worten von Goll nicht zielführend. Die Probanden müssen außerdem aus einer baden-württembergischen Justizvollzugsanstalt in den Südwesten entlassen werden - also in Baden-Württemberg wohnen. «Eine sechsmonatige Betreuung muss Erfolg versprechend sein. Ansonsten haben wir mit guten Gründen keine Vorgaben gemacht», betonte Goll.

Quelle: dpa/lsw


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