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Interview
  • 14.07.2015

Kinderreporter fühlen Kretschmann auf den Zahn

  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann (M.) mit zwei Nachwuchsreportern

An einem der bisher heißesten Tage dieses Sommers ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann noch ein wenig mehr ins Schwitzen gekommen. Fünf Kinderreporter haben ihm auf den Zahn gefühlt und dabei auch erfahren, dass er ein begeisterter Handwerker ist, für den Politik Sinn macht.

Herr Ministerpräsident, müssen Sie immer einen Anzug tragen?

Winfried Kretschmann: Meistens. Aber heute ist es so heiß, dass ich mal keinen anhabe. Mich zwingt niemand dazu, einen Anzug zu tragen, aber die Kleidung zeigt den Respekt, den man den anderen gegenüber hat.

Sie sind jetzt seit vier Jahren Ministerpräsident. Macht es immer noch Spaß?

Kretschmann: Ich glaube, Spaß ist nicht das richtige Wort. Es gefällt mir natürlich, was ich tue, und ich regiere das Land gern. Aber man hat ja auch manchmal Ärger in so einem Amt und deshalb sage ich immer, wenn ich gefragt werde: Politik macht Sinn, Politik macht keinen Spaß. Das ist so wie bei euch mit der Schule: Das macht ja auch nicht immer Spaß, aber es macht Sinn.

Vermissen Sie manchmal die Zeit, in der Sie als Lehrer gearbeitet haben?

Kretschmann: Ja, das Schöne war immer, jede Woche mit Schülern zusammen zu sein. Das war eine tolle Sache, jetzt treffe ich nur selten Kinder und Jugendliche.

Ist es schwieriger, eine Klasse im Zaum zu halten oder Ihre Mitarbeiter hier?

Kretschmann: Die Leute hier sind schwieriger.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Dinge, die eine gute Schule ausmachen?

Kretschmann: Das Wichtigste ist, dass eine Schule gute Lehrerinnen und Lehrer hat. Zum Zweiten: dass dort ein Klima herrscht, bei dem alle gut zusammenarbeiten und kein Schüler Angst hat. Drittens macht eine gute Schule aus, dass in ihr gut gelernt wird. Dass jeder, je nachdem, welche Fähigkeiten er hat, gute Leistungen bringen kann. Und dass es egal ist, wo jemand herkommt und wie viel Geld die Eltern haben.

Würden Ihre ehemaligen Schüler Sie als strengen Lehrer bezeichnen?

Kretschmann: Ich denke schon, aber ich glaube nicht, dass ich ein sehr strenger Lehrer war, eher so in der Mitte. Nachträglich bekomme ich von ehemaligen Schülern jedenfalls immer ganz gute Noten.

Ist es ein großer Unterschied, ob man vor einer Klasse redet oder vor dem Parlament?

Kretschmann: Vor der Klasse redet man ja als Lehrer. Das muss man vor dem Parlament vermeiden, das kommt nicht gut an. Ich bin Abgeordneter, und das sind die anderen auch. Das ist also eine Diskussion auf Augenhöhe. Außerdem geht es im Parlament ganz anders zu: Da gibt es Zwischenrufe, und man macht andere Dinge, die man in einer Klasse nicht darf oder tun sollte. Das Parlament ist kein Lernraum, sondern ein Raum der öffentlichen Auseinandersetzung, des Streits. Viele Leute regen sich auf, wie es da zugeht, aber die haben nicht verstanden, dass es hier nicht um freundliche Gespräche geht. Oft wird heftig diskutiert.

Was finden Sie besser? Abitur nach der zwölften Klasse, also G8, oder G9: ein Jahr länger Schule?

Kretschmann: Ich bin ein Anhänger von G8, aber finde, dass wir es unbedingt noch verbessern müssen. Auch das Studium dauert heute nicht mehr so lang. Früher gab es einen Spruch, der hieß: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Und heute ist nichts so falsch wie dieser Satz. Man muss das ganze Leben lang lernen, weil sich die Welt so schnell verändert. Deshalb ist es nicht sinnvoll, dass man als Jugendlicher so lange in der Schule und an der Universität lernt, vielmehr sollte man sich auch später immer wieder weiterbilden. Es ist doch kaum noch so, dass man sich für einen Beruf entscheidet und dass sich dann bis zum Lebensende nichts an der Arbeit ändert. Als ich so alt war, wie ihr seid, gab es keine Computer und keine Smartphones. Das alles musste meine Generation später lernen.

Sie haben bestimmt ein Smartphone. Spielen Sie damit in der Freizeit?

Kretschmann: Nein, ich habe damit beruflich so viel zu tun, dass ich froh bin, wenn ich mich privat mit dem Ding nicht beschäftigen muss. Ich muss fast immer online sein und so oft draufschauen. Insofern habe ich null Bock, das Smartphone noch zu benutzen, wenn ich nicht muss. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Beim Wandern schaue ich drauf, um zu sehen, wie weit ich gelaufen bin. Und wenn ich eine schöne Orchidee finde, mache ich gern ein Bild.

Was machen Sie außer Wandern in Ihrer Freizeit?

Kretschmann: Ich bin ein begeisterter Handwerker. Wenn ich Zeit habe, mache ich Reparaturen an meinem Haus. Letzten Sommer habe ich einen neuen Tisch gemacht für den Garten. Heimwerken, also sägen, mauern, Holzarbeiten, das macht mir großen Spaß.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen für Ihre Freunde und Familie?

Kretschmann: Viel zu wenig. Meine Kinder sind alle groß und wohnen nicht mehr zu Hause. Mein jüngster Sohn bekommt mit seiner Frau Nachwuchs, ich werde also diesen Monat zum ersten Mal Opa, wenn alles gutgeht. Darauf freue ich mich, und ich hoffe, dass ich dann Zeit für meinen Enkel habe.

Haben Sie zu Hause noch ein Kuscheltier? (Aaron hatte von seinem kleinen Bruder den Auftrag, diese Frage zu stellen.)

Kretschmann: Nein, das habe ich nicht mehr. Aber ich habe neulich eins für meinen Enkel gekauft, der bald auf die Welt kommt. Da habe ich einen Alpaka-Hof besucht. Das Tolle an Alpakawolle ist nämlich, dass sie nicht kratzt, und das ist für Kinder genau das Richtige.

Wollten Sie als Kind eher Lehrer oder Politiker werden?

Kretschmann: Gar nichts von beiden. Ich wollte immer Pfarrer werden.

Warum sind Sie nicht Pfarrer geworden?

Kretschmann: Das ist eine sehr lange Geschichte, die muss ein anderes Mal erzählt werden. Das hat so viele Gründe.

Glauben Sie noch immer an Gott?

Kretschmann: Ich bin Katholik, und der Glaube an Gott spielt für mich eine wichtige Rolle. Dadurch fühle ich mich behütet und habe nicht immer Angst, irgendetwas falsch zu machen. Ich kann Vertrauen in mich und meine Arbeit haben und mich in meinem Glauben zu Hause fühlen.

Wie kamen Sie zu den Grünen?

Kretschmann: Ich kam da nicht dazu, sondern ich habe die Grünen selbst gegründet, mit anderen zusammen. Wir hatten die Idee, dass man eine Partei braucht, die sich auch um die Natur kümmert.

Weil Sie ja bei den Grünen sind: Fahren Sie manchmal mit dem Fahrrad zur Arbeit?

Kretschmann: Nein, ich wohne in Sigmaringen - das sind hundert Kilometer. Da müsste ich arg früh aufstehen, so weit bin ich noch nie in meinem Leben mit dem Rad gefahren. Und wenn ich in Stuttgart bin, übernachte ich meistens gleich hier im Haus.

Wie wird man eigentlich Ministerpräsident? Kann das jeder machen?

Kretschmann: Theoretisch schon, aber praktisch nicht. Man kann das nicht bestimmen, so wie man zum Beispiel sagen kann: Ich werde Förster. Man muss in einer Partei sein, und die Partei muss einen dann gut finden. Dann muss man gewählt werden: erst von der Partei, dann von den Menschen und dann vom Parlament.

Worauf sind Sie am meisten stolz, wenn Sie auf die letzten vier Jahre zurückblicken?

Kretschmann: Eigentlich darauf, dass wir gut und gerne regieren. Und auf den Nationalpark Schwarzwald, das ist auch ein wichtiges persönliches Anliegen von mir. Da überlassen wir ein Stück Wald sich selbst. Daraus wird in ein paar Hundert Jahren eine Wildnis. Dass wir das geschafft haben, ist für mich persönlich das schönste Werk.

Und was wollen Sie noch erreichen?

Kretschmann: Ich will noch mal Ministerpräsident werden. Es sind ja bald Wahlen, und da werde ich noch mal kandidieren, damit wir das fertig machen können, was wir angefangen haben. Ganz wichtig ist, dass wir die vielen Flüchtlinge gut unterbringen. Und dass sie gut Deutsch lernen und einen Beruf finden können. Die Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind, sollen hier eine neue Heimat finden können.

Was macht Ihnen als Ministerpräsident nicht so viel Spaß?

Kretschmann: Tage, an denen ich einen Termin nach dem anderen habe. Das sind manchmal 16 Stunden, erst neulich hatte ich so einen Tag, da ging es durch von morgens bis spät in die Nacht. Selbst beim Essen muss ich dann arbeiten, und das ist nicht so schön.

Was ist denn Ihr Lieblingsessen?

Kretschmann: Ich habe mehrere, aber eines ist auf jeden Fall Kässpätzle.

Haben Sie das als Kind schon gern gegessen?

Kretschmann: Überhaupt nicht. Meine Familie kam aus Ostpreußen, da gab es nichts Schwäbisches, also auch keine Kässpätzle. Als Kind hatte ich eine andere Lieblingsspeise: ostpreußische Kartoffelklöße mit Speck und Zwiebeln. Etwas, was ich heute gar nicht mehr bekomme. Und Königsberger Klopse, das esse ich heute noch gerne. An dem merkt man, dass ich nicht von Schwaben abstamme: Ich bin kein Nassesser. Das bedeutet, dass ich nicht zu allem Soße brauche. Ich lasse sie sogar oft weg.

Auch Politiker aus anderen Parteien können Sie gut leiden. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Kretschmann: Da bin ich der Falsche, den du fragst. Aber ich vermute, dass sie zufrieden sind mit dem, was wir an der Regierung tun. Und oft sagen Leute, dass ich glaubwürdig sei. Das heißt, ich erzähle nichts anderes, als ich mache oder denke.

Sind Sie Fußballfan?

Kretschmann: Ich bin Mitglied beim VfB Stuttgart und bin leidenschaftlicher VfB-Fan, auch wenn es einem der VfB wie in dieser aufregenden Saison nicht immer leicht macht.

Die Fragen stellten Aaron Obojski, Lukas Kurz, Paula Haspel, Pius Leins und Jasmin Schaal.

Quelle: Quelle: Stuttgarter Zeitung


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